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Predigten und spirituelle Begleitung

Gedanken zur Fastenzeit - 26. März 2020

Liebe Freunde Seligenthals,

der Aschermittwoch und die Hälfte der Fastenzeit liegt hinter uns. Und spätestens seit gut einer Woche ist uns allen bewusst geworden jetzt ist das Loslassen, so mancher Verzicht, nicht mehr freiwilliger Art, sondern wird uns von der schnellen Verbreitung eines kleinen Virus abverlangt.  Ähnlich wie wir die Ascheauflegung nicht als etwas Niederdrückendes ansehen sollten, weil das nicht ihr Sinn ist, können wir uns auch jetzt fragen, wie können wir auch dieser Zeit trotz allem Schweren und Bedrohlichen gut meistern. Vielleicht helfen ihn die Gedanken, die ich meinen Mitschwestern am Beginn der Fastenzeit mitgab ohne dabei an das Corona Virus zu denken.

Das Kreuzzeichen auf unserer Stirn, ist ja keine Bedrohung oder etwas, was uns Angst vor dem Tod machen möchte, sondern das Zeichen der Erlösung; ein Hinweis, Du bist wertvoll und wichtig, aber Dein Leben hier ist nicht unbegrenzt.

Die Ascheauflegung gibt den Impuls für die Fastenzeit, über unser Leben nachzudenken, wieder neu zu sehen, dass es kostbar ist, dass wir Gott kostbar sind, dass er ein gutes, ein erfülltes, ein geglücktes Leben für uns möchte. Ja, dass Gott uns die Fülle des Lebens schenken möchte. Sagt Christus doch von sich: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben!“
Ostern ist das Fest der Fülle, der Freude, des Lichtes. So sollen die Tage, die dieses Freudenfest vorbereiten, sicher nicht traurige Tage sein, sondern das Fasten, Beten und Barmherzig Sein sollen uns helfen, frei zu werden von dem, was mich am Leben hindert, was mich beschwert, was mir auf der Seele liegt, was ich unnötig mit mir herumschleppe. In diesen vierzig Tagen sollen wir uns selbst immer wieder Zeit gönnen zu fragen, was beglückt, bereichert mein Leben, was ist mir kostbar, wesentlich und wichtig? Aber auch, was fehlt mir, was ist mir abhanden gekommen, wie haben sich meine Wertvorstellungen verändert, was habe ich aufgegeben, was ist mir genommen worden?

Hier können wir auch darüber nachdenken, wie es mit unserer ersten Liebe steht, ob wir lau geworden sind? Bin ich glücklich und zufrieden, stimmen meine menschlichen Beziehungen, meine Beziehung zu Gott? Wie steht es mit meiner Lebensfreude, meiner Freude an Gott und der Erfüllung seines Willens, der Freude am Gebet? Unser Leben ist sinnvoll, aber manches kann unseren Lebensfluss bremsen, vielleicht unmerklich, vielleicht aber auch bewusst. Da kann es sein, dass ich selbst mit mir unzufrieden bin, dass ich das eine oder andere ändern sollte, ich neu fragen sollte, was Gott mit mir vorhat, was er sich von mir wünscht und manchmal auch die Mitmenschen. Suchen wir zu erkennen, was uns zufrieden macht, nicht im Sinne es passt schon, sondern was uns im Tiefsten erfüllt und erfreut.

Nutzen wir die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern als eine intensive Zeit des persönlichen Gebetes, eine Zeit der Hellhörigkeit für unsere eigenen Bedürfnisse und die der anderen, eine Zeit der Offenherzigkeit für alle, die unsere Hilfe brauchen. Fasten, Beten und Barmherzig Sein sind hilfreiche Übungen, um Augen, Ohren und Herz zu weiten für alle Bereiche, wo Veränderungen notwendig werden.

Dabei ist es heilsam, wenn sich die Wahrnehmung auf drei Richtungen hin öffnet: auf mich selbst, auf meine Mitmenschen und auf Gott hin. Konkret heißt das:

  • Mit meinen ‚Augen‘ darf in den Spiegel schauen und mich fragen: Wer bin ich? Kann ich mir selbst ins Gesicht sehen? Mag ich mich? Nur wer sich selbst annehmen kann, wird auch einen gütigen Blick für seine Mitmenschen entwickeln oder sich den wohlwollenden Blick Gottes aneignen, mit dem ER mich und die Welt ansieht.
  • Mit meinen ‚Ohren‘ darf ich in mich hinein hören: Was meldet sich aus der Stille? Ist mein Gewissen noch lebendig? Nur wer die Schwingungen seiner eigenen Seele kennt, wird hören, wo sich seelische Not bei den anderen rührt. Und nur ein waches und lauschendes Ohr wird auch die leise Art Gottes nicht überhören, mit der ER seinen Willen für mich kundtut.
  • Und schließlich braucht es die Sorge um das eigene Herz: Spüre ich dort Leben? Wovon ist mein Herz erfüllt? Freude, Trauer, Not, Angst? Je mehr jemand behutsam und liebevoll mit seinem eigenen Herzen umzugehen lernt, umso stärker kann er auch seine Fähigkeit entwickeln, barmherzig mit anderen zu sein, und so eine Grundeigenschaft Gottes zu verkörpern.

So will die Fastenzeit Raum schaffen und eine Übungsplattform bieten für heilsame Veränderungen, die dem Leben gut tun. Wenn die Kirche von der österlichen Bußzeit spricht, hat sie recht, denn der Weg durch diese Zeit hat ein Ziel, er geht auf Ostern zu! Unsere ‚geistlichen Übungen‘ dienen keinem Selbstzweck, sondern sie sollen helfen, dass unser Glaube neue Kraft bekommt, dass wir frische Hoffnung schöpfen für den Alltag aus der Botschaft der Auferstehung und dass andere unsere Liebe zu spüren bekommen.

Ihre M. Petra Articus
Äbtissin Abtei Seligenthal


Sonntagspredigten von Monsignore Dr. Norbert Fuchs

Die Sonntagspredigten von Herrn Dr. Fuchs wurden mehrere Jahre hindurch von unseren Schwestern niedergeschrieben. Wir fanden sie in seinem Nachlass und bewahrten sie im Archiv auf.  Von jetzt ab werden wir die zum jeweiligen Sonn - oder Festtag eine passende Predigt in unsere Homepage zu laden. Die Worte von Herrn Dr. Fuchs werden sicher eine religiöse Bereicherung und zugleich eine liebe Erinnerung für Sie sein.

3. Fastensonntag - "Lebendiges Wasser"

Noch heute wird den Pilgern und Reisenden ins Heilige Land der Jakobsbrunnen gezeigt, an dem sich das abspielte, was uns im Evangelium erzählt wird.

Die Archäologen können nachweisen, dass der Brunnen sehr alt ist, so dass alles dafür spricht, dass es der Brunnen ist, den nach dem Zeugnis des AT Jakob bei Sichem gegraben hat. Mit seinen 32 m ist er sehr tief. Umso kostbarer ist das frische Quellwasser, auf das man in der Tiefe stößt. Alle diese Umstände gehen in das Gespräch mit ein, das Jesus mit der Samariterin dort führt, jedenfalls in den ersten Teil, der um das Kernwort Wasser kreist.
Vom zweiten Teil, in dem es um die rechte Gottesverehrung geht, wollen wir absehen.

Das Gespräch, dessen Zeugen wir sind, wird von Jesus eröffnet mit der Bitte um einen Schluck Wasser. Es ist Mittagszeit und heiß. Nichts liegt näher als diese Bitte. Die Frau ist dennoch verwundert, dass ein Jude mit ihr, einer verachteten Samariterin, spricht. Dadurch, dass sie dies nicht nur denkt, sondern auch ausspricht, gibt sie dem Gespräch eine ungeahnte Wendung: Es wird von Jesus auf eine andere Ebene gehoben, und es vollzieht sich ein Rollentausch. Jesus antwortet ihr: „Wenn du wüsstest, wer dich um Wasser bittet, dann hättest du ihn gebeten, dass er dir das lebendige Wasser zu trinken gibt.“

Unter dem lebendigen Wasser versteht sie frisches Quellwasser im Unterschied zu angestandenem Zisternenwasser, also Wasser, wie es dieser Brunnen bietet. Sie versteht es als Aufforderung, ihn um das zu bitten, worum er sie gebeten hat. Deshalb ihr Bedenken: „du hast kein Gefäß.“

Erst der Hinweis, dass es Wasser sei, das allen Durst nimmt, so dass man nicht mehr durstig wird, und dass das Wasser eine Quelle ewigen Lebens sei, macht ihr klar, dass er ein anderes Wasser meint. Wenn sie dann freilich sagt: „Herr, gib mir dieses Wasser, dass ich nicht mehr hierher zu kommen brauche, um Wasser zu schöpfen“ muss man sagen, dass sie ihn auch da noch nicht begriffen hat. Sie denkt wohl an eine Art Zauberwasser.

Was meint Jesus selbst, wenn er vom lebendigen Wasser spricht?
Dass es ein Bild ist, ist klar, aber wofür?

Ganz allgemein kann man sagen: „Es ist ein Bild für das, was Gott den Menschen schenkt, was er, Jesus, ihnen vermittelt.“ Man kann es verstehen als Bild für den Heiligen Geist, den jene empfangen, die an ihn glauben, oder als Bild für das göttliche Leben, an dem sie teilhaben, oder auch für sein Wort, die Grundlage des Glaubens. Keines der drei schließt das andere aus; es sind drei Aspekte des einen. Sie sind die Gabe Gottes an die Menschen, sein großes Angebot.

Wenn Jesus dieses Angebot mit dem Wasser in der heißesten Mittagszeit in Beziehung bringt und betont, dass dieses allen Durst nimmt, dann geht er davon aus, dass seiner Gabe auch ein Verlangen entspricht, das dem Durst vergleichbar ist. Ja, wie herrlich ist ein kühler Trunk im warmen Sommer! Ein Königreich dafür! Und damit soll sich jenes andere Verlangen vergleichen lassen.

Entspricht dem auch die Wirklichkeit? Hat man nicht den Eindruck, dass die meisten nach allem anderen mehr verlangen als nach diesem, dass sie es fad und langweilig empfinden, dass man es ihnen aufdrängen muss, als dass es einem aus der Hand gerissen wird. Haben die Menschen wirklich ein Bedürfnis danach?

Ein bekannter Geistlicher sagte mir einmal: „Ich komme mir oft vor wie ein Händler, der etwas anbietet, was niemand haben will.“

Ich glaube nicht, dass es so stimmt.

Man muss hier unterscheiden, und zwar zwischen einem Oberflächenbedürfnis und einem Tiefenbedürfnis. Bei jedem Menschen treffen wir auf das eine und auf das andere, und beide müssen nicht zusammenstimmen, sie können sich auch entgegenstehen. Zudem sind sich viele nur ihrer Oberflächenbedürfnisse bewusst und sprechen nur von diesen.

Wenn z. B. jemand das Bedürfnis hat, dass sich immer etwas rührt, und dieses zu befriedigen trachtet, dann lässt er sich ganz von einem Oberflächenbedürfnis leiten. In der Tiefe aber sitzt ein persönliches Unerfülltsein und damit das Bedürfnis nach echter menschlicher Erfüllung. Das, was er tut, sein betriebsames Arbeiten und Genießen, überdeckt nur dieses tiefere Bedürfnis; es ist nur die Erfüllung des Oberflächenbedürfnisses, das nur dem Augenblick genügt und ihn deshalb immer wieder weiter treibt; es reicht nicht in die Tiefe, in der das eigentliche Bedürfnis sitzt, und kann ihn deshalb im letzten auch nicht befriedigen. Das ist nur möglich in der Hinwendung und im persönlichen Kontakt mit den Menschen und mit Gott.

Alle Glücksangebote, die heute lautstark angepriesen werden, bewegen sich auf der Ebene der Oberflächenbedürfnisse. Auf dieser Ebene und mit diesen Angeboten kann die Gabe Gottes, die uns Jesus bietet, nicht konkurrieren. Sie liegt auf einer anderen.

Und die Bedürfnisse auf dieser tieferen Ebene sind auch heute nicht abgestorben. Denken wir nur an die Sinnfrage, die in den letzten Jahren mit einer unbekannten Stärke aufgebrochen ist.

Gerade sie, die in den zivilisatorisch am höchsten entwickelten Ländern am akutesten ist, macht deutlich, dass „oben“ der Durst in der Tiefe nicht gestillt werden kann, dass es ein tiefes Bedürfnis des Menschen gibt, auch das Bedürfnis, das nur durch das lebendige Wasser gestillt werden kann, das uns Gott durch seinen Sohn Jesus Christus bietet.

Der Symbolik des Wassers und des Trinkens ist sehr ähnlich die des Brotes und des Essens. In der Bedeutung fallen sie völlig zusammen.

Die eine, das Wasser, ist eingegangen in das Grundsakrament der Taufe; die andere in das zentrale Sakrament der Eucharistie. Was im Evangelium vom lebendigen Wasser gesagt wird, hören wir in entsprechender Abwandlung wieder bei der Kommunion: „Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben.“

Was am Jakobsbrunnen Verheißung war, wird in unserer Eucharistiefeier Wirklichkeit.

4. Fastensonntag 1977 - "Jesu - der gute Hirte"

1977 traf am vierten Fastensonntag ein Ausschnitt aus den Reden Jesu, in denen er sich als der „Gute Hirte“ bezeichnet. Darauf bezog sich Dr. Fuchs und seine Gedanken haben heute noch Gültigkeit

Ganze vier Sätze umfasst das heutige Evangelium, aber es sind Sätze, die Gewicht haben.

In den ersten spricht Jesus von seinem Verhältnis zu den Seinen und ihr Verhältnis zu ihm; im letzten spricht Jesus in knappster Form sein Verhältnis zum Vater aus: “Ich und der Vater sind eins.“ Und weil er und der Vater eins sind, deshalb gilt das, was vorausgehend über sein Verhältnis zu uns und umgekehrt gesagt wird, ganz allgemein für die Beziehung zwischen Gott und uns.

Dies wird so beschrieben:“ Sie hören meine Stimme, meine Worte“ – „Ich kenne sie“ – „Sie folgen mir“ – „Ich gebe ihnen das Leben“ – „und niemand wird sie meiner Hand entreißen“.

Wir beschränken uns in unserer Betrachtung au die eine Aussage „Ich kenne sie“.

In einer Zeit, in der man sich die Erde als eine Scheibe vorstellte, die auf dem Urmeer schwimmt – über ihr der gestirnte Himmel und wiederum darüber der Himmel, die Wohnung Gottes, von der er wie von einer hohen Warte auf die Erde niederschaut: In einer solchen Zeit war es leicht verständlich, wenn man sagt: Gott sieht uns, sogar kennt uns.

Nun wissen wir aber heute, dass die Erde nicht der zentrale Ort der Welt ist und dass sie zudem nur ein Pünktchen in dem großen Kosmos ist.

Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand sind es etwa 10 Milliarden Milchstraßen, d.h. 10 Milliarden große Sternensysteme. – Unser eigenes System hat etwa 100 Milliarden Sonnen, und zu jedem Sonnensystem gehören wieder zahlreiche große und kleine Planeten. Einer dieser Planeten ist unsere Erde, und auf ihr bewegen uns wir Menschen in großer Zahl, z.Zt. etwa 3 Milliarden.

Meine Lage als Mensch ist also die: Ich bin einer von 3 Mrd. Menschen auf der Erde; diese ist einer der Himmelskörper, die um die Sonne kreisen. Die Sonne ist eine von 100 Mrd. unserer Milchstraße, und diese ist wiederum eine von 10 Mrd. Milchstraßen, die wir bisher kennen.

Der Vergleich: Wir sind nicht mehr als ein Sandkorn in der Wüste, ist keine Übertreibung.

Schon der atl. Beter spricht im PS. 8: „Wenn ich auf den Himmel schaue, das Werk deiner Hände (o Herr), auf den Mond und die Sterne: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?“

Wenn dieser schon von seinem ganz bescheidenen Wissen über die Welt her schon so spricht und fragt: „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst“: um wieviel mehr müssen wir so fragen.

Die Unwahrscheinlichkeit ist durch das Wissen um das Ausmaß der Welt so angewachsen, dass man vielleicht statt zu fragen, gleich geneigt ist zu sagen: Es ist doch unmöglich, dass Gott an mir, dem Sandkorn, Interesse haben kann, auf mich schauen, mich kennen kann.

Gut, dass wir uns diese Zahlen (100 Mrd., 10 Mrd.) nicht mehr vorstellen können und damit die Entfernungen und die Größe der Welt, sonst wären wir noch mehr bedrängt von der Erkenntnis unserer Winzigkeit und Bedeutungslosigkeit.

Wenn wir dennoch glauben, dass Gott jeden einzelnen kennt, dass er jedem einzelnen zugewandt ist, so tun wir dies ja nicht aus dem Gefühl unserer eigenen Gewichtigkeit heraus, aus einer Selbsteinschätzung heraus. Diese und die Folgerung wären ja wirklich maßlos überzogen. Wir tun es, weil uns Gott selbst diese Zusage gegeben hat. Aber wird nicht auch eine solche Zusage angenagt von unserem Wissen um die eigene Erde angesichts der Größe der Welt? Ist es überhaupt denkbar, dass Gott sich um uns winzigen Dinger auf einer winzigen Welt irgendwo im Riesenweltall kümmert?

 

Der Fehler bei solchen Bedenken liegt vor allem darin, dass wir Gott zu menschlich sehen, dass wir unser eigenes Denken auf ihn übertragen. Wir können unsere Aufmerksamkeit immer nur auf einen Punkt richten: auf ein Ding, auf einen Menschen oder eine überschaubare Gruppe. Deshalb überschauen wir immer nur einen kleinen Abschnitt, bzw. einen kleinen Ausschnitt aus der großen Wirklichkeit. Zudem ist uns durch die Bindung an einen bestimmten Ort, an dem wir uns befinden, das eine immer näher als das andere, und etwas Weitentferntes entrückt ganz der Möglichkeit der Zuwendung.

Aber für den allgegenwärtigen Gott trifft weder das eine noch das andere zu. Er ist uns hier auf unserem Planeten so nahe wie einem anderen Punkt des Weltalls, und damit ist auch seine Aufmerksamkeit nicht punktuell auf das eine oder auf das andere gerichtet. Vor ihm liegt alles gleichzeitig offen.

Das Wissen um die Größe des Alls ist kein Hinderungsgrund, daran zu glauben, dass Gott in einer unmittelbaren Beziehung zu uns, zu mir steht, dass er uns kennt, wie der Hirt seine Schafe kennt, und in gleicher Weise auf uns bedacht ist.

Es kann uns dies vielmehr eine Hilfe sein, Gott wirklich göttlich zu sehen und nicht in menschlichen Maßen, eine Hilfe, um noch besser zu erahnen, wer Gott ist, besser als die Menschen je vor uns konnten. Dann werden wir die Größe seines Werkes erfassen, erfassen auch etwas von seiner Größe.

Aber noch wichtiger als das ist, worum es uns eigentlich geht, ist, dass er uns kennt, dass er um uns weiß und um all das, was uns in der Tiefe bewegt. Und zwar im Sinn eines teilnehmenden, verstehenden Wissens, eines Wissens, das mit der Liebe verbunden ist.

Das zeigt schon der Vergleich mit dem Hirten und erst recht die Verheißung: „Ich werde ihnen ewiges Leben geben; niemand wird sie meiner Hand entreißen.“

Was ist es schon, wenn man einen Menschen findet, bei dem man spürt, dass er einen versteht. Was kommt uns aber dann an echter Lebenshilfe zu in dem Glauben an Gott, der uns kennt bis in die letzten Verästelungen hinein, dem zu begegnen nicht ein glücklicher Zufall ist, dessen Zeit nicht durch andere Verpflichtungen belegt ist. Am hellen Tag und in der dunklen Nacht, im Alleinsein und in der Menge, in der Stunde freudigen Erhobenseins oder trauriger Niedergeschlagenheit: Ich kann sicher sein, dass er um mich weiß in dieser meiner Verfasstheit, und dass ich mich an ihn wenden kann und in ihm geborgen bin.

Das ist kein „als ob“ („ich kann es tun, als ob es so wäre“); sondern das ist durch Gott selbst verbürgte Wirklichkeit.

Aus dem Zeugnis glaubender Menschen, die man verfolgt, inhaftiert und zum Teil auch hingerichtet hat, wissen wir, dass viele gerade in den Stunden äußerster Verlassenheit und Not diese Nähe Gottes ganz tief erfahren haben und dass sie dies tief beglückt hat.

Aber Gott ist nicht nur dort, wo geschlagen wird, wie Ernst Wiechert eine seiner Romanfiguren sprechen lässt, sondern überall dort, wo ein Herz schlägt, auch im Einerlei des Alltags.

Er ist immer bei uns, und er kennt uns.

5. Fastensonntag 1984 - "Unser Verzicht - Leben für Viele"

In dieser Predigt geht Dr. Fuchs nicht näher auf das Evangelium ein, sondern greift das Leitwort der damaligen Misereor-Aktion auf, welches lautet: „Unser Verzicht – Leben für viele“. Unserer Meinung nach gilt dieses Motto gerade für diese Zeit.

Joh. 11,1-45

a) Es gibt einige wenige Überzeugungen, in denen sich alle Menschen einig sind. Eine von ihnen ist, dass die Welt, in der wir leben, anders werden muss. Das wissen wir nicht erst heute, das verbindet uns mit den Menschen früherer Generationen. Es war ihnen wohl nicht so bewusst wie uns heute, weil sie nicht soviel von der Welt wussten.
Die Welt muss anders werden: das war auch das Anliegen Jesu; sie muss besser werden; es muss die Liebe in ihr wachsen; das allein kann sie wirklich verbessern. Seine Forderung einer radikalen Nächstenliebe sollte nicht bloß eine Gehorsamsprüfung der Menschen sein, sondern der Weg zu einem menschenwürdigen Leben in Gemeinschaft mit anderen.
Auch das, was uns unser Evangelium heute sagt, kann in diesem Zusammenhang gesehen werden. Die Hoffnung auf die Auferstehung und das ewige Leben, in der dieses uns bestärken will, gibt unserem Leben einen bleibenden Wert. Sie hilft uns, dieses Leben zu bejahen und auch jedes menschliche Leben, jeden Menschen zu bejahen.
Der Glaube an die Auferstehung und das ewige Leben wertet dieses Leben nicht ab, sondern zeigt umgekehrt den Wert dieses Lebens; er ist so groß, dass Gott es nicht untergehen lässt.
Ich möchte heute aber nicht näher auf das Evangelium eingehen, sondern das Leitwort der diesjährigen Misereor-Aktion aufgreifen; es lautet: „Unser Verzicht – Leben für viele“.

 

b 1) Ich sagte eingangs, dass sich alle Menschen darin einig sind, dass die Welt anders werden muss. Es sind sich alle auch darüber im Klaren, dass dies nicht von selbst geschieht, sondern dass das unsere Aufgabe ist, dass wir Menschen das leisten müssen, dass wir dies von irgendjemand erwarten dürfen. Das gilt für jeden Überstand in der Welt, auch für den größten: das riesige Gefälle zwischen arm und reich. Wir alle wissen darum, aber wir alle sind auch in gleicher Weise gefährdet, uns daran zu gewöhnen, so sehr, dass wir uns über eine kleine Ungerechtigkeit, die in der Behandlung zweier Menschen durch einen Vorgesetzten mächtig aufregen können, von der riesen Ungerechtigkeit in der Welt aber überhaupt nicht berührt werden.

b 2) Ich höre den Einwand: Was heißt hier Ungerechtigkeit in der Welt? Haben wir jemand etwas weggenommen? Ist der Zustand ungerecht, den wir mit unserem Fleiß und Verstand geschaffen haben? Haben wir kein Recht auf unser Eigentum?
Die Kirche hat immer das Recht auf Eigentum des Einzelnen verteidigt, nicht aus Selbstinteresse, sondern weil dies dem Menschen entspricht. Sie sagt aber genauso bestimmt, dass das Recht auf Privateigentum dem gemeinsamen Recht aller auf die Güter der Erde, auf ihre Nutznießung untergeordnet ist.
Von daher gesehen, müssen wir sagen, dass der Zustand der Welt ungerecht ist. Niemand von uns hört das gerne, und es auszusprechen ist noch unangenehmer als es anzuhören. Aber wir dürfen die Wahrheit eben nicht verschweigen.

b 3) In unserem Leitwort „Unser Verzicht – Leben für viele“ wird aber nicht eigentlich das Gerechtigkeitsgefühl angesprochen, sondern mehr das Mitgefühl: das Mitgefühl mit denen, deren Leben ständig an einem dünnen Faden hängt oder doch einfach als menschenunwürdig zu bezeichnen ist.
Versuchen wir es: tun wir, was uns möglich ist: denken wir uns in die Lage der vielen anderen hinein und fragen wir uns, was wir von den anderen, den Reichen erwarten würden. Wir würden nicht nur ein Almosen erwarten, sondern dass sie bereit sind, auf etwas zu verzichten, dass sie nicht einfach gedankenlos für sich hinleben, sondern an „uns“ denken. Das würden wir erwarten, wenn wir die anderen wären; wir sind es nicht, sondern wir sind die, an die sich die Erwartungen richten.
Wir wissen, dass uns Jesus ein solches Denken nahelegt in seiner berühmten „Goldenen Regel“: „Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihr ihnen.“ Das soll sich nicht beschränken auf die Beziehung zu einzelnen, sondern das gilt erst recht im Großen.
Hier greift keine Entschuldigung! Wir kennen solche Entschuldigungsversuche: dass jede Hilfe nur ein Schlag ins Wasser sei; dass zuerst einmal die Großen etwas tun sollen usw. Das sind nur Selbstbeschwichtigungen, aber keine Entschuldigungen. Solche gibt es nicht. Ja, wo es für viele um das Leben geht, wäre ein solcher Entschuldigungsversuch geradezu ein Hohn. Ein ganz direktes „ich mag nicht“ oder „die anderen interessieren mich nicht“ wäre zwar nicht besser, aber ehrlicher.

b 4) Es ist in unserem Leitwort von „Verzicht“ die Rede. Die, denen wir helfen wollen, müssen auf vieles verzichten; wir sollen auf manches verzichten. Wir haben es selbst in der Hand, können überlegen und fragen, wie wir dieser Verpflichtung nachkommen können, einer Verpflichtung, die nicht die Kirche stellt, sondern die in den ungerechten Verhältnissen begründet ist und von der Kirche nur ausgesprochen wird.
Und es geht nicht nur um einen Verzicht im Zusammenhang mit der Misereor-Kollekte, sondern ganz allgemein um eine sinnvolle Verzichthaltung, die unser Leben überhaupt prägen soll, und zwar das Leben eines jeden; hier ist niemand ausgenommen.
Wir sollen uns also nicht nur leiten lassen von dem Gedanken: „Was ist schön“, „Was ist gut“, „Was ist besser“, sondern dabei auch von dem Gedanken an die Not und die Ungerechtigkeit in der Welt. Sie sollten wir immer, wie man sagt, im Hinterkopf haben, und zwar nicht nur im ganz persönlichen Bereich, sondern in allen, auf die sich unser Tun und unser Entscheiden erstreckt, für die wir verantwortlich oder mitverantwortlich sind.
Im Einzelfall ist das sehr schwer, zu sehen: Was ist hier recht und was nicht; was ist sinnvoller, gerecht und was nicht. Das lässt sich nie eindeutig entscheiden. Aber wer sich überhaupt die Frage stellt, ist bewahrt vor einem gedankenlosen, bloß auf den eigenen Vorteil, den eigenen Nutzen gerichteten Handeln. Eine sinnvolle Verzichthaltung darf nicht kleinlich, nicht ängstlich sein; aber sie soll sich auch auf das Kleine und scheinbar Nebensächliche erstrecken. Sie machen ja das Leben aus.

 

c) Im LK-Evangelium findet sich eine kleine Szene; Jesus wendet sich an einen und sagt: Wenn du ein Gastmahl hältst und andere einlädst: dann lade nicht die ein, die es dir vergelten, die auch dich wieder einladen, sondern lade die dazu ein, die es dir nicht vergelten können.
Man kann, bzw. muss das natürlich verallgemeinern. Es geht nicht nur um die Einladung. Wir sollen nicht nur denen Gutes tun, die es uns wieder vergelten.
In unseren Verhältnissen ist das gar nicht so einfach. Wer möchte eine Wohltat auf sich sitzen lassen, ohne sie zu erwidern! Aber in Bezug auf die vielen Notleidenden in der Welt ist das möglich. Hier können wir dieses reine Schenken verwirklichen.


Bildung

Bei der Wiedereröffnung des Klosters erhielt Seligenthal im Jahr 1835 von König Ludwig I. den Auftrag, sich der Mädchenbildung zu widmen. Bald trat eine große Schar von Schwestern ein, die Schülerzahl wuchs stetig und die Ausbildungsrichtungen differenzierten sich im Lauf von 170 Jahren immer mehr. Heute liegt das Bildungszentrum Seligenthal in Trägerschaft der Schulstiftung, die im Jahr etwa 1.900 Kinder, Jugendliche und Studierende auf ihrem Bildungs- und Ausbildungsweg begleitet und betreut.


Ein Zentrum - viele Perspektiven

7 Bildungs- und Betreuungseinrichtungen in einer Hand

 

Zum Bildungszentrum Seligenthal in Trägerschaft der Schulstiftung Seligenthal gehören heute:

  • Der Kindergarten Seligenthal mit fünf Gruppen, in dem die Kinder nach anerkannten pädagogischen Konzepten auf verschiedenen Ebenen angesprochen und begleitet werden.
  • Der Kinderhort Seligenthal, in dem etwa 200 Buben und Mädchen in acht Gruppen betreut werden: Beim Mittagessen, bei der Erledigung der Hausaufgaben und der aktiven Freizeitgestaltung. Im Allgemeinen besuchen die Kinder des Horts unsere eigene Grundschule.
  • Die private Grundschule Seligenthal mit zwölf Klassen, in der die Kinder eine umfassende schulische Grundbildung und eine kindgerechte Glaubensgrundlage erhalten sollen. Als Konfessionsschule steht sie nur Kindern offen, die einem christlichen Bekenntnis angehören.
  • In der Ganztagsbetreuung Seligenthal werden an Schultagen Kinder der 5. bis 7. Jahrgangsstufe betreut werden. Die Betreuung beinhaltet Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung sowie Freizeitgestaltung.
  • Die Wirtschaftsschule Seligenthal, in der eine zwei-, vier- oder fünf-stufige Schulbildung mit dem Abschluss  "Mittlere Reife" angeboten wird. Sie öffnet Mädchen und Jungen die Tür zu allen Ausbildungsberufen und schafft ihnen auf dem Ausbildungsmarkt einen deutlichen Vorteil. Den Schülerinnen und Schülern der Wirtschaftsschule wird die Ganztagsbetreuung sowie der Zugang zum Mensa-System angeboten.
  • Das Gymnasium Seligenthal bietet den sprachlichen Zweig an und ist außerdem ein Wirtschafts- und sozialwissenschaftliches Gymnasium mit sozialwissenschaftlichem Profil. Es gibt desweiteren einen musischen Zweig sowie eine Fußball- und Chorklasse, um auf die unterschiedlichen Begabungen der Schülerinnen und Schüler einzugehen und deren Freude am Lernen zu fördern. Eine Schulmensa steht allen Schülerinnen und Schülern mit einem täglich wechselndes Angebot zur Verfügung. Das Gymnasium hat das Motto: "Aus der Tradition Zukunft gestalten."
  • Die Fachakademie für Sozialpädagogik ist zweizügig und bildet insgesamt rund 146 Studierende pro Schuljahr aus. Hinzu kommen die 102 Schülerinnen des sozialpädagogischen Seminars (SPS). In diesem Schuljahr hat die Schule die Selbstevaluation an Schulen, kurz SEIS genannt, erfolgreich abgeschlossen.


Einzelheiten über das Bildungszentrum und seinen Einrichtungen erfahren Sie hier direkt auf der Homepage der Schulstiftung Seligenthal.


Führungen

Führungen in der Abteikirche und der Afrakapelle sind nach dem Sonntagsgottesdienst ab ca. 10:30 Uhr möglich. Um rechtzeitige Anmeldung an der Klosterpforte unter Tel. 0871 / 8210  oder direkt per Mail an Schwester M. Fidelis Thurner  - m.fidelis@kloster.seligenthal.de wird gebeten.


Vorträge

Seligenthaler Gespräche und andere Workshops

In Zusammenarbeit mit der Landshuter Zeitung ("Bernlochner Gespräche") und dem christlichen Bildungswerk, findet bei uns jedes zweite Jahr eine Vortragsreihe mit christlichen Themen statt. Im Anschluss an den jeweiligen Vortrag laden wir bei einem Glas Wein zu einem Gesprächsaustausch ein.

Hier einige Beispiele über unsere Themen und Referenten: 

2010  - „Suche den Frieden und jage ihm nach“

  • Pater Walter Rupp SJ spricht über - "Pater Rupert Mayer, der Apostel der Armen und Prediger wider den Ungeist."
  • Dr. Georg Evers - "Kampf der Kulturen oder Gespräch unter den Religionen 
  • Dr. Hildegard Goss-Mayr - "Gewalt- Gewalt überwinden. Die Gewaltfreiheit Jesu in unserem Leben."

 

2014 - „Wege zum Selbst"

  • Professor Dr. phil. habil., Dr. theol. h.c. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz - "Scheitern und Gelingen - der Weg von mir zu mir“
  • Professor Dr. Dr. habil. Erwin Möde - „Beten als Weg zu mir selbst“
  • Professor Dr. Martin Thurner - "Gotteskindschaft. Eugen Biser über den Selbstwert der Menschen“

 

2016 

  • Professor dr. Michael Bordt SJ - „Sich selbst verstehen“
  • Professor Dr. Martin Thurner - „Mit Grenzen leben - sich selbst wiederfinden“
  • Professor Dr. phil. habil., Dr. theol. h.c. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz - „Halb sein und Ganz werden"

 

2018 „Göttliche Tugenden: Glaube – Hoffnung – Liebe"

  • Professor Dr. Martin Thurner - „Glaube: Philosophische Annäherungen in drei Gleichnisbildern“
  • Professor Dr. Georg Sans SJ - „Worauf hofft ein Christ?“
  • Professor Dr. Karl Woschitz - „Transfiguration der Liebe“

Jugendvigil

In regelmäßigen Abständen gestaltet Schwester M. Immaculata mit Jugendlichen zusammen eine Jugendvigil. Diese findet im zwei-monatlichen Rhythmus in unserer Afrakapelle statt.

Bei Interesse informiere Dich bei m.immaculata@kloster.seligenthal.de.

 

Einladung zur Jugendvigil

Wenn Du zu einer Jugendvigil kommen willst, dann musst Du Dich darauf einstellen, etwas ganz Spezielles zu erleben. Und zwar im wahrsten Sinn des Wortes: bei der Jugendvigil kommen wir Gott näher. Die Jugendvigil reißt Dich heraus aus dem Alltäglichen, Langweiligen, manchmal Leerem; aus dem, was fast alle anderen tun.
Die Jugendvigil ist auch für alle, die im Herzen jung und jung geblieben sind.

Ich freue mich auf Dich!

Herzliche Grüße,
Schwester M. Immaculata OCist.

Hier kannst Du mehr erfahren


Jugendvigil-Termine 2019/2020

Unsere Jugendvigil, kurz Juvi genannt,  ist in der Regel jeden 2. Monat am 1. Freitag.

Ort:       Afrakapelle
              (durch den Torbogen in unseren Schmuckhof, gerade aus, rechts durch die Ecktüre
              über den Afragarten)

Beginn: 20.00 Uhr, Ende: ca. 21.30 Uhr,
danach: gemütliches Beisammensein in der Mensa

Nächste Termine

Fr.   7. Februar 2020 (Blasius-Segen)
Fr.   3. April 2020