Zisterzienserinnen-
Abtei Seligenthal

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84034 Landshut
Deutschland

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Hl. Luitgard von Tongern


Sie war eine mystisch begnadete Frau, die aus dem Brabant stammte. Ihre Ausbildung genoss sie bei den Benediktinerinnen des Klosters St. Katharina bei St. Trond, wo sie mehrere Jahre als Scholarin lebte. Zunächst hätte sie mit einem jungen Mann vermählt werden sollen. Nach einer tiefen Gotteserfahrung aber wurde ihr klar, dass sie zum monastischen Leben berufen war und bat bei den Benediktinerinnen um Aufnahme, wo sie um 1200 die Profess ablegte.


Anfänge im Benediktiner-Kloster

So führte Luitgard zunächst ein Leben als Benediktinerin. Ihr Kloster galt aber nicht als besonders streng. Zwar bemühten sich die Nonnen, das Chorgebet würdig zu halten und nachts zum Gebet aufzustehen, doch im übrigen nahm man die Weisungen der Benediktusregel nicht sehr genau, die während des Tages abwechselnd Handarbeit und geistliche Lesung forderte. Stattdessen wurde der Tag mit frommen Plaudereien ausgefüllt. Luitgard hingegen versuchte die Zeit sinnvoll auszunützen und zog sich in die Stille zurück. Nachdem man erkannt hatte, dass Luitgard die Gabe hatte, Menschen durch Handauflegung von ihren Leiden zu heilen, suchten viele Menschen sie auf.


Erste Visionen

In mehreren Visionen forderte Christus von ihr, für die Sünder Sühne zu leisten. Eine sehr bekannte Vision, die später von vielen Künstlern dargestellt wurde, ist folgende: Als sie einmal fiebrig war und es deswegen für besser hielt, nicht ins Chorgebet zu gehen, mahnte sie Christus dennoch, aufzustehen um Sühne zu leisten. Sie eilte rasch zur Kirche und sah am Eingang den Herrn. Er hing am Kreuz und seine Seitenwunde war offen. Mit seiner Rechten zog er sie an sich und drückte ihren Mund an sein Herz, aus dem sie einen Strom geistlicher Kraft und Wonne trank. Diese Vision veränderte ihr ganzes Leben.


Eintritt ins Zisterzienser-Kloster und weitere Visionen
So trat sie 1205 in den Zisterzienser-Orden ins Kloster Herkenrode ein, das sich in der Nähe von St. Katharina befand. Chorgebet, Handarbeit und geistliche Lesung bestimmten hier den Tagesablauf und durch die strenge Klausur war der Kontakt zur Außenwelt sehr beschränkt. Spinnen, Gartenbau, Kräuterzucht und die ARbeit im Skriptorium waren die Hauptaufgaben des Klosters. Luitgard wurde überall eingesetzt und hatte nun auch genügend Zeit, sich mit der Hl. Schrift auseinanderzusetzen. Luitgard vergaß ihre Vision nicht und war auch immer mehr bereit, für die Sünder zu sühnen. In einer weiteren Vision wurde sie von Christus aufgefordert, sieben Jahre lang zu fasten, um "den göttlichen Zorn zu besänftigen", der auf all den schlechten Christen und Irrlehrern der damaligen Zeit lastete. Luitgard fastete also sieben Jahre lang bei Brot und Bier. Dies blieb nicht ohne Erfolg, denn die Albigenser verloren immer mehr an Einfluss unter dem Volk. Die Menschen suchten Luitgard sogar selber auf, um von ihr Trost und Rat zu bekommen. Noch zweimal in ihrem Leben fastete sie im Auftrag Gottes. Das dritte Fasten war zugleich eine Vorbereitung auf ihren bevorstehenden Tod. Am 16. Juni 1246 gab sie während der Vesper ihr Leben ihrem Schöpfer zurück, dankend, betend und voll Sehnsucht nach Christus, dem Herrn. In Flandern wird Luitgard heute noch als Schutzheilige verehrt.




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