Weihnachten 2014

Ausgabe 14 · Landshut, 19.12.2014



 
 „Ihr werdet
ein Kind finden ,
das in Windeln gewickelt
in einer Krippe liegt.“
Lukas 2,12

   

Seligenthal, Weihnachten 2014

Liebe Freunde Seligenthals ,

der Ausschnitt aus einer unserer Krippen zeigt das Kind im Stall, klein, hilflos und arm. Mit der Vorstellung von einem mächtigen Gott hat dieses Kind gar nichts zu tun. Im Gegenteil, ohne die Hilfe der Menschen kann das Kind gar nicht überleben. Auch wenn die liebenswerte Spielerei um die Krippe, wie sie hier abgebildet ist,  vermuten lassen könnte, es geht um eine Romantisierung der Armut, des Kleinseins, so ist dies nicht der Fall. Sondern Gott ist so groß, dass er auch klein sein kann, dass er einer von uns wird und nicht ein Mächtiger und Anspruchsvoller, sondern einer, der auf die Hilfe anderer angewiesen ist, der uns braucht. So beinhaltet  jedes Weihnachtsfest auch  die Frage an mich, lasse ich mich gebrauchen, bin ich mit dabei, wenn es darum geht auf meinem Platz die Welt ein klein wenig friedvoller und gerechter zu gestalten? Ich persönlich bin dankbar, dass wir von Anfang an mit hineingenommen sind in das Erlösungsgeheimnis Christi, dass er  uns die Gnade schenkt, mit ihm wirken zu dürfen, und so ein wenig die Welt mitgestalten können.

Sicher haben Sie auch eine schöne Krippe, vielleicht sogar mehrere?  Bei uns findet man auf jedem Fensterbrett eine Minikrippe, ein Christkind oder zumindest einen Stern?

Immer wenn ich etwas über die Gewalttaten in den Kriegsgebieten oder von der großen Flüchtlingsnot höre oder lese, denke ich nicht nur an die betroffenen Menschen und hoffe, dass für sie ebenso  einmal wieder ein Stern leuchtet. Auch all die Menschen treten mir vor Augen, die ähnlich wie ich darunter leiden,  angesichts  von so viel Leid so wenig helfen oder die Kriege gar verhindern zu können. Da wir noch in der Bausituation stecken und nicht mal genügend Klassenzimmer haben und unser Bauernhof so abseits liegt, können wir auch keine Flüchtlinge aufnehmen. Ich habe den Behörden nur anbieten können, dass meine Mitschwestern Deutsch unterrichten könnten, falls dies gewünscht wird.

Wir in Seligenthal dürfen dankbar auf das Jahr zurückschauen, in dem baulich viel geschehen ist, auch wenn noch einiges aussteht, in dem unsere kranken Schwestern sich größtenteils wieder erholt haben und wir z. B. von vier noch rüstigen Schwestern den 80. Geburtstag feiern durften. Leider ist in diesem Jahr unsere  Schwester M. Antonia gestorben.
Große Sorgen machen wir uns um die Gesundheit von unserem sehr geschätzten Spiritual Dr. Fuchs. Sein Kranksein zieht sich schon sehr lange hin und er ist, obwohl wieder daheim, noch sehr schwach. Dass Dr. Fuchs nicht nur von uns geachtet und geliebt wird, zeigte auch die große Bereitschaft einiger junger Geistlicher, die an seiner  Stelle bei uns die tägliche Heilige Messe feierten, wofür wir besonders dankbar sind. Jetzt haben wir für einige Zeit einen afrikanischen Priester von der Diözese bekommen, der mit Schwester M. Lioba fleißig deutsch lesen übt.
Dankbar  und erfreut sind wir auch, dass wir wieder eine junge Frau einkleiden durften. Unsere Kandidatin Vera trägt jetzt den Namen Clara, nach der französischen Restauratorin Claire Castelbajac (1953 – 1975), deren Seligsprechungsprozess im Gange ist.
 Auch unsere Seligenthaler Gespräche sind wieder gut angenommen worden. Bei den Vorträgen von Frau Professor Dr. Dr. Gerl Falkowitz und Professor Dr. Dr. Möde hatten wir sogar Raumprobleme, da die Aula nur 240 Personen fasst und wesentlich mehr Zuhörer gekommen waren. Beide Vorträge, die sich mit unserem Selbst befassten und der Beziehung zu Gott und den Menschen, waren sehr gut und hatten zu langen Gesprächen bei einem Glas Wein Anstoß gegeben. Mir machte der Besucherstrom bewusst, dass das Interesse für die zentralen Glaubens -und Lebensfragen doch sehr groß ist.
Kennen Sie Werke von Professor Dr. Gerl Falkowitz? Ich lese gerade Ihr Buch „Frau, Männin, Mensch“, in dem sie die Entwicklung der Einschätzung  der Frau über die Jahrtausende aufzeigt und sich mit der Genderfrage auseinandersetzt. Bei der dieser Auseinandersetzung  bin ich noch nicht, aber sonst finde ich das Buch sehr interessant, da es mir einiges wieder neu bewusst gemacht hat.
Die beiden Weihnachtskonzerte unserer Schüler und Schülerinnen des Gymnasiums haben uns wieder sehr beglückt und diesmal durch die alten traditionellen Weihnachtslieder besonders auf das Fest der Geburt Christi vorbereitet.

Es grüßt Sie ganz herzlich, wünscht Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und reichen Segen für das Neue Jahr 2015

Ihre M. Petra Articus




 


 



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