Seligenthaler Karwochen- und Osternachtsliturgie


Ausgabe 11 · Landshut, 01.01.2014



 Vielleicht sind Sie einfach neugierig und fragen sich, wie wohl heute bei uns in Seligenthal klösterliche Tradition während der Karwoche und in der Liturgie der Osternacht gepflegt wird?




 Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu Christi, stellt für uns Christen das höchste im Kirchenjahr dar. Die gesamte Fastenzeit führt uns auf das Fest hin. Sie mündet in die Karwoche, die mit dem Palmsonntag anfängt. Vorbereitendes Präludium zur Leidenszeit, dem sog. Triduum der heiligen drei Tage vor Ostern, bildet die Verhüllung des großen Kreuzes in der Abteikirche am 5. Fastensonntag.

Am Palmsonntag, dem Gedächtnis des festlichen Einzugs Jesu in Jerusalem, werden zu Beginn der Liturgiefeier kleine Palmbüschel geweiht und ausgeteilt. Danach erfolgt die Palmprozession durch den Kreuzgang, angeführt von der Äbtissin und dem Konvent, denen sich die Kirchenbesucher anschließen. Mit dem Wiedereinzug in die Kirche beginnt die Messe. Der Wortgottesdienst besteht aus zwei Lesungen und zwei Antwortgesängen, zwei Evangelien und der Passion nach Johannes.

Während des Triduums schweigen die Glocken. An ihrer Stelle werden „Ratschen“ (das sind hölzerne Rasseln) verwendet.
Der Gründonnerstag gestaltet sich als Stiller Tag und als Gebetstag um geistliche Berufe. Am Nachmittag nimmt die Äbtissin mit zwei Assistentinnen die Fußwaschung bei 12 Schwestern vor. Dieses liturgische Geschehen umfasst auch lateinische Gesänge und zwei Lesungen. Im Abendmahlsgottesdienst wird die heilige Kommunion unter beiden Gestalten gereicht. Am Ende des Gottesdienstes trägt der Priester das Allerheiligste in feierlicher eucharistischer Prozession mit Kerzen und begleitenden Gesängen in den Kapitelsaal, wo es während der drei heiligen Tage aufbewahrt wird. Dort beten wir im Anschluss die Komplet.  Durch die Nacht zieht sich die immerwährende Anbetung im Kapitelsaal, der für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist.

Am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag werden Lamentationen von Schwestern gesungen. Dabei handelt es sich um prophetische Klagelieder über das Leiden und Sterben Jesu. Die Nokturnen, das sind die vorgezogenen Nachtgebete, singen wir in Seligenthal nur während des Triduums der Karwoche, ansonsten beten wir sie.


Am Karfreitag, einem Einkehrtag für uns im Kloster, setzt sich den Tag über die Anbetung fort. Um 15 Uhr findet die Liturgie in der Abteikirche statt. Dier Klostergemeinschaft zieht mit dem Kreuz voran in die Kirche ein. Wie auch am Palmsonntag tragen der Priester und zwei Schwestern die Leidensgeschichte mit verteilten Rollen vor. Die Improperien (d.i. der Wechselgesang mit den Gläubigen) werden von der Choralschola einstimmig gesungen: „Mein Volk, was habe ich dir getan? Antworte mir!“(GL 206, Kehrvers). Das Kreuz wird vom Konvent und der übrigen Kirchengemeinde an den Stufen des Altars verehrt. Dazu singen wir alle Strophen des Liedes: „ O du hochheilig Kreuze“ (GL 857) Nachdem die Eucharistie aus dem Kapitelsaal geholt worden ist, wird die heilige Kommunion am Schluss der Liturgiefeier gespendet. Danach bringt der Priester den Hostienkelch wieder in den Kapitelsaal zurück. Nun wird das heilige Grab aufgebaut.

Der Karsamstag zeichnet sich durch Stille und Gebet aus. Allerdings entfällt die heilige Messe. Die Schwestern teilen sich ihre Aufgaben für die Vorbereitung des Osterfestes: Abteikirche und Chorgebetsraum sowie die Klosterräume werden geschmückt; die Sängerinnen proben letztmalig.

Die Feier der Osternacht ist bei uns um vier Uhr. Dazu wird das Osterfeuer unter der Empore  in der Abteikirche an einem kleinen Holzstoß entfacht. Während das Holz verbrennt, gibt der Priester eine kurze Einführung in den liturgischen Ablauf. Daraufhin weiht er die Osterkerze,  setzt fünf Steine für die fünf Wundmale Jesu Christi ein und entzündet die Kerze am Osterfeuer. Konvent und Gottesvolk stehen im Kreis um diesen Vorgang. Die Prozession mit dem Priester an der Spitze formiert sich, und der Priester singt das erste „Lumen Christi“. Da seine Kerze schon brennt, wird beim zweiten „Lumen Christi“ die Kerze der Äbtissin angesteckt. Beim dritten wird das Osterlicht an die Schwestern und die übrigen TeilnehmerInnen an der Liturgiefeier weitergegeben. Am Altar angekommen, hebt der Priester die Osterkerze auf den vorgesehenen Leuchter. Das „Exsultet“, d.i. der Dankgesang für die Auferstehung, singt nur er. Danach wird die Kirche hell erleuchtet. Den feierlichen Gottesdienst leiten die sieben Lesungen zur Heilsgeschichte ein. Die Zwischengesänge hat unsere verstorbene Mitschwester M. Ildefonsa selbst komponiert. Nach dem Evangelium erneuern wir das Taufgelöbnis. Zuvor wird das Osterwasser geweiht. An die Osternachtsfeier schließt sich die lateinische Osterlaudes an, die mit brennenden Kerzen in der Hand gesungen wird. Als Ausklang der Liturgie segnet der Priester die mitgebrachten Speisen. Beim feierlichen Auszug der Schwestern und Gäste zur Empore trägt die Äbtissin die Osterkerze hinauf.

Auf die Klostergemeinschaft wartet im Refektorium das traditionelle Osterfrühstück. Es wird eröffnet mit einem Ostersegen der Äbtissin und dem Alleluja-Kanon von W.A.Mozart.
Wir wünschen Ihnen von Herzen reiche Gnaden in der Karwoche und Zeit für die liturgischen Ereignisse, damit Sie den Segen des Osterfestes spüren und kraftvoll erleben können.







 Für die ganze Seligenthaler Klostergemeinschaft

M. Petra Articus, O.Cist. und  M. Adelheid Schneider






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