Infobrief – Rituale und Traditionen in Seligenthal

Ausgabe 10 · Landshut, 25.02.2014



 
Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Freunde und Wohltäter,

da wir zuweilen neugierig angefragt werden, welche Bräuche und Rituale wir noch pflegen, beschreiben wir Ihnen in diesem Newsletter in loser Folge, welche Rituale und Traditionen insbesondre den Rhythmus unseres Lebens bestimmen. 

Anlässlich des kürzlichen Todes einer Mitschwester haben wir in diesem Text den Schwerpunkt auf unsere Begräbnisrituale gelegt.


 Eine sehr alte Tradition stellen die monatlichen Betstunden dar. 

In der Nacht vom 22. auf den 23. eines jeden Monats halten wir fortlaufend Anbetung, d.h. Mitschwestern beten im Stundentakt vor dem Allerheiligsten. Diese Betstunden zur immerwährenden Anbetung beginnen um 20 Uhr und dauern bis 6 Uhr am nächsten Morgen. Das gilt für Klöster in der ganzen Diözese Regensburg. Uns wurde dabei das erwähnte Datum zugeteilt. Dieses immerwährende Gebet findet in den Gemeinden tagsüber statt.


 Den diözesanen „Tag des geweihten Lebens“ begingen wir am 01. Februar regional bei den diesjährigen Landshuter „Schirmherrinnen“, den Ursulinen-Schwestern.

Am 02. Februar befand sich eine Gruppe von unseren Mitschwestern unter den ca. 300 Ordensleuten im Dom zu Regensburg, die sich dort zur diözesanen Feier des „Tages des geweihten Lebens“ eingefunden hatten. Die Diözese Regensburg wendet sich mit dieser Begegnung an alle, denen das Thema „Berufung“ ein Anliegen ist.


 
Am 08. Februar trugen wir unsere fast 91jährige Mitschwester M. Antonia Holzner zu Grabe. 

Über 60 Jahre lebte sie in unserem Kloster und zeichnete sich durch großen Fleiß aus. Von ihrer Ausbildung her war sie eine orthopädische Schustermeisterin. In den letzten Jahren schleppte sie sich tagtäglich mühsam in den Kapitelsaal und betete dort in eindrucksvoller Weise für die Anliegen des Konvents. 

Ihre große Liebe gehörte den Rosen. Es ist noch nicht so lange her, dass man sie jeden Abend im Garten sehen konnte. Eine Rose ziert ihr Sterbebildchen mit dem schönen Text von Angelus Silesius:

„Die Ros blüht ohn warum,
sie blühet, weil sie blühet,
sie acht nicht ihrer selbst,
fragt nicht ob man sie siehet.“

Schwester M. Antonia erfreute uns durch ihre echt bayerische Originalität. Ihr Tod hat für uns alle ein „Loch“ hinterlassen.


Seligenthal hält sich bei der Begräbnisfeierlichkeit an vom Orden festgelegte Riten:
Am Tag der eingetroffenen Todesnachricht betet der Konvent am Abend den Schmerzreichen Rosenkranz. Der Sarg wird zunächst in einen für die Totenwache ausgewählten Raum übertragen. Unser Spiritual, Msgr. Dr. N. Fuchs, besprengt den Sarg mit Weihwasser und spricht vorgeschriebene Gebete. 

Wir tragen aus feierlichem Anlass das weiße Chorkleid, die Kukulle. Am Ort der Totenwache werden vier Kerzen aufgestellt und Weihwasser für die Segnung des Sarges. In der Zeit bis zum Beerdigungstag beten Mitschwestern je halbstündig abwechselnd für die Verstorbene. 

Am Begräbnistag selbst verrichtet der Priester letzte Gebete vor der Bahre im Raum der Totenwache. Feierlich wird die schöne Antiphon gesungen: „Zum Paradies mögen Engel dich geleiten“.
 
Wie es Brauch ist, ziehen dann die Schwestern in Prozession zum Klosterfriedhof. Die Angehörigen und Trauergäste schließen sich an. Beim Grab angekommen, stehen Äbtissin und Priester am Fußende des Grabes, um das sich die Trauergemeinde je nach den örtlichen Gegebenheiten versammelt. Nach den Gebeten und dem Segen des Priesters für das Grab, wird das noch offene Grab von allen Anwesenden segnend mit Weihwasser besprengt, wobei Priester und Äbtissin damit beginnen; diese hat zuvor symbolisch eine Schaufel Erde auf den Sarg geworfen. Danach begibt man sich zum Requiem in die Abteikirche. In der Predigt wird der Lebenslauf der Verstorbenen erläutert. Die Liturgie hat einen österlichen Akzent. 

An den folgenden dreißig Tagen, dem sog. Dreißiger, wird jeden Abend bei der Komplet der verstorbenen Mitschwester gedacht, außerdem lassen wir in der Mission dreißig heilige Messen für die verstorbene Mitschwester beten. 



 Am 16. Januar und am 13. Februar 2014 führten wir gemeinsam mit dem Christlichen Bildungswerk und Pax Christi Landshut das „Forum FriedensMacher“ durch. 

Den Impulsreferaten war jeweils ein von Pax Christi organisiertes Friedensgebet vorgeschaltet. Dann schilderten Zeitzeugen zeitgenössische FriedensstifterInnen. 

In dieser Serie wurden schon am 21. November 2013 Frère Roger Schutz/Taizé und Abbé Stock porträtiert. 

Das spirituelle Leben der Mutter Teresa von Kalkutta und die Wirkkraft der 1996 ermordeten Trappistenmönche aus Tibhirine/Algerien faszinierten die zahlreichen Zuhörer am 16. Januar. 

Am 13. Februar standen die österreichische Friedensaktivistin der Gewaltfreiheit, Hildegard Goss-Mayr und der afro-amerikanische Baptistenpfarrer und Prediger gegen den Rassismus, Martin Luther King, auf dem Abendprogramm.

 Zu unserer großen Freude war das Interesse sehr groß. Wir hatten spürbar mit diesen drei gelungenen Veranstaltungen ein tiefes spirituelles Bedürfnis angerührt, wie es in den zahlreichen positiven Rückmeldungen zum Ausdruck kam. 

Im Herbst 2014 laufen wieder die „Seligenthaler Gespräche“ mit dem Oberthema „Wege zum Selbst“.



 
Unsere Fastenzeit eröffnen 2014 die jährlichen Konventexerzitien, diesmal mit einem Prämonstratenserpater aus Kloster Windberg als Exerzitienmeister. Zudem ist es in Seligenthal üblich, dass jede Schwester von der Äbtissin eine Fastenzeitlektüre erhält. 

Wir wünschen Ihnen eine gesegnete Vorbereitung auf Ostern und möchten Ihnen die Empfehlung mit auf den Weg hin zu diesem Hochfest geben, den beschaulichen Kreuzweg wieder einmal meditativ in Ihre Woche einzubauen.

Es grüßt Sie herzlich, 
Schwester M. Adelheid



Zisterzienserinnen-Abtei Seligenthal, Landshut · Tel. +49 (0) 871 821-0 · www.seligenthal.de

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