Frühlingsbrief

Ausgabe 7. Ausgabe
· Landshut, 08.04.2010



 Frühlingsbrief

Noch stehen wir in der Osteroktav und ich hoffe, Sie durften ein wenig erfahren, was Ostern heißt, mit welcher Hoffnung uns die Auferstehung des Herrn erfüllt. Weil Christus von den Toten erstanden ist, können wir sagen – mein Leben hat Sinn, ist von Hoffnung erfüllt, ich werde geliebt, ich bin befreit….
Eine meiner jungen Mitschwestern schrieb nach der Erneuerung des Taufversprechens in der Osternacht folgenden Text, den ich Ihnen gerne zu bedenken gebe, trifft er doch sicher auf so manche von uns zu und kann helfen, über die eigene Gottesbeziehung nachzudenken.

Erneuerung meines Taufversprechens – Glaube, um den ich ringe

Ja Herr, ich widersage
ich widersage dem Bösen mit all seinen Verlockungen
auch, wenn ich so oft selbst darin verstrickt bin,
wenn ich nicht weiß, wie ich mich dagegen wehren soll,
wenn ich selbst in ehrlichen Momenten spüre,
dass ich nicht besser bin als andere, deren Bosheit ich vielleicht beklage,
wenn ich manchmal vor mir selbst erschrecke - vor dem wozu ich fähig bin.
Ich widersage, weil ich weiß,
dass Du auch in meinem Versagen zu mir stehst und zu mir hältst,
dass Du mich wieder und wieder neu beginnen lässt
und mein Wille, zu Dir zu gehen, für Dich zählt.
Ich widersage, weil ich mich dem Drang, mich von Dir wegzudrehen, entgegensetzen will,
weil ich zu Dir und mit Dir meinen Weg gehen will,
deshalb widersage ich, Herr, allem, was mich davon abhält, Dir zu folgen.
Und ja, Herr, ich glaube und ich bleibe bei Dir
auch wenn ich Zweifel habe - immer wieder,
wenn ich Fragen habe und Klagen- Anklagen auch an Dich,
wenn ich unsicher werde und nicht weiter weiß.
Ich glaube, weil ich Dich erfahren habe,
weil ich weiß, dass es Momente gab und gibt,
in denen Du da bist, ohne Zweifel, voller Liebe,
in denen mein Herz von Deinem berührt wird
und Deine Hand mich hält
und Deine Stimme mich ruft-
Momente, in denen ich weiß, Du bist - und Du bist da.
Ich glaube, Herr, und ich bleibe in Deiner Kirche,
auch wenn sie fehlbar ist und Fehler macht,
wenn mich entsetzt, dass vieles auch bei uns nicht anders - nicht besser ist,
wenn ich mich stoße an Machtgehabe und Schwerfälligkeit,
wenn mich das Schwarz-Weiß-Denken einiger so betroffen macht
und wenn ich wütend bin ob so mancher Äußerung,
wenn ich Dich zwischen all dem sichren Wissen und den Vorschriften
manchmal erst mühsam suchen muss -
und wenn mir die Tränen in den Augen stehen
wegen all dem Leid und Unrecht, dass auch in dieser, Deiner Kirche
an Menschen geschah und noch geschieht.
Ja, Herr, ich glaube und ich bleibe,
weil Du es warst und bist, der uns zusammenruft,
zu dem wir kommen und dem wir begegnen,
weil Du es bist, dem wir alle einst und auch schon jetzt gegenüberstehen,
und weil ich hier, in Deiner Kirche, Deine Nähe erfahre
und so nicht anders kann als zu glauben, dass Du in ihr gegenwärtig bist
Tag für Tag mitten unter uns
in den Menschen, die ich treffe,
in Deinem Wort und Deinem Segen,
in Deiner befreienden Zusage von Vergebung und Neubeginn,
im unscheinbaren Brot, das wir teilen,
in dem Du Dich in unsere Hände - in unser Herz gibst
und weil ich weiß, dass auch Du geblieben bist durch alles Leid und allen Verrat,
weil ich weiß, dass Du für jede Träne, die ich weine, tausend eigene um jedes Opfer weinst,
weil ich glaube, dass Du es bist und niemand sonst,
der mich und uns hier zusammen ruft,
weil Du bei uns bist und ich von Dir nicht weggehen kann,

deshalb Herr, bleibe ich.
                                    (Sr. N. Ostern 2010)

Ihr Taufversprechen haben in der konkreten Nachfolge im Ordensleben jetzt ganz neu umgesetzt unsere drei am Fest Maria Verkündigung und am Ostermontag eingetretenen Kandidatinnen Anne, Ursula und Birgit. Die drei kommen nicht nur aus unterschiedlichen Gebieten Deutschlands, sondern haben auch verschiedene Berufe und liegen auch im Alter weit auseinander. Während Ursula in der politischen Bildung tätig war, sorgte sich Birgit um kranke und alte Menschen und Anne schloss gerade ihr Diplom in Physik ab. Alle drei Frauen bereichern nicht nur unser Noviziat, sondern den ganzen Konvent. Zumal sich Schwester M. Katharina  zu einem Klosterwechsel entschlossen hat und in Zukunft in Frankreich im Kloster Boulaur leben möchte.
Wenn Sie nicht weit von Seligenthal entfernt leben, lade ich Sie herzlich ein, während der Osterzeit einmal unseren erstmalig im Klosterhof geschmückten Osterbrunnen anzusehen. Seit kurzem gibt es für jede unserer Bildungseinrichtungen einen eigenen Flyer und eine
Extraseite auf der Home Page mit einer speziellen Farbe. Diese für die Einrichtung stehenden Farben. inspirierten Schwester M. Immaculata dazu, die Schülerinnen zu bitten, jeweils ihrer Schulfarbe entsprechend ein Ei für den Osterbrunnen anzufertigen. In Zusammenarbeit mit Freunden, Lehrern, Schülern, Eltern und Schwestern beim Binden und Stecken entstand der schön gewordene Osterbrunnen, der unseren Dank Gott gegenüber ausdrücken soll, dass wir so reichlich mit lebenspendendem Wasser beschenkt sind. Zudem sind ja das Ei und das Wasser die Symbole für das neue Leben, das uns durch die Auferstehung geschenkt wird.
Liebe Freunde Seligenthals, diejenigen von Ihnen, die unserem  Förderkreis angehören möchte auch ich noch einmal zur Mitgliederversammlung am 16. Mai einladen. Wir werden dann den fertig restaurierten und von Ihnen gesponserten Dreikönigsaltar begutachten können. Alle lade ich ganz herzlich ein zu einem Konzert einer Münchner Gruppe am 08. Mai in unserer Aula. Genaueres werde ich dann bei den Terminen auf der Home Page bekannt geben.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich und wünscht Ihnen einen schönen Frühling

Ihre M. Petra







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