Zisterzienserinnen-
Abtei Seligenthal

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Abschied von Schwester M. Johanna


Gott der Herr holte am 30. 03. 2018 unsere Seniorin und ehemalige Novizenmeisterin
Schwester M. Johanna Ancilla (Erna) Knoblach
im hohen Alter von 102 Jahren heim.
Geb: 4. März 1916 Profess: 22. Mai 1938 Gest.: 30. 03. 2018


Suchte man ein passendes Bibelwort für unsere, von allen verehrte und von vielen geliebte verstorbene Schwester M. Johanna, würde man wahrscheinlich das Johanneswort 15,9 „Bleibet in meiner Liebe“ wählen.
Schwester M. Johanna, am 04. März 1916 in der bayerischen Landeshauptstadt München, geborene Erna Knoblach, hätte im Mai auf 80 Professjahre zurückblicken können. Jahre erfüllt von Freud und Leid, von Arbeit und Gebet, von Festen und Feiern, von Sorgen und Ängsten, aber auf alle Fälle gesegnete Jahre, in denen sie nicht in erster Linie auf sich, sondern auf Gott, die Mitschwestern und die Kinder in der Schule geschaut hatte.
Nur wenig bekam Erna als Kind, in ihrer Volksschulzeit in München von den Nachwehen des ersten Weltkrieges, ja überhaupt vom Großstadtleben mit, denn schon mit 8 Jahren zog sie zusammen mit ihren lieben Eltern und ihren 2 Geschwistern nach Landshut und wurden eine kleine Seligenthalerin, da sie hintereinander in Seligenthal 2 Jahre die Seminarübungsschule, dann 6 Jahre das Lyzeum und 3 Jahre das Lehrerinnenseminar Seligenthal besuchte. Die liebevolle, positive Erziehung zu Hause und der sicher gute Unterricht der Schwestern, prägten nicht nur Ernas Charakter, sondern auch Ihren Glauben, und so entschloss sie sich, schon ein Jahr nach dem Ausbildungsabschluss in Seligenthal einzutreten. Sicher keine leichte Entscheidung, da das Naziregime ja schon an der Macht war und sie als offene, an dem Zeitgeschehen interessierte junge Frau, die Einstellung des Regimes zum Glauben und gar zu Klöstern mitbekommen hatte. Aber nicht Karrieredenken oder ihre eigene Selbstentfaltung waren Erna wichtig, sondern Gott, seine Verehrung stand in ihrem Leben immer im Vordergrund, so dass sie am 19. April 1936 Kandidatin und am 18. Mai 1937 Novizin in Seligenthal wurde. Noch vor Kriegsbeginn, am 22. Mai 1938 durfte Schwester M. Johann, wie Erna im Kloster hieß, ihre erste Profess ablegen und auch als Lehrerin an der Volksschule Seligenthal wirken. Wie gerne die Kinder sie hatte, wie viel sie ihnen vermittelte, zeigte der langjährige, intensive Kontakt der Ehemaligen zu ihr. Da Schwester M. Johanna 1941 ihre ewige Profess ablegte und damit zeigte, wie Sie zum NS - Regime standen, wurde sie von der Schule verwiesen und fand im Haus Beschäftigung. Das war nicht leicht für sie, denn statt Kinder zu unterrichten, musste sie im Lazarett, das in Seligenthal untergebracht war arbeiten. Wie viel Leid und Elend ihr hier begegnete, wie viele Überstunden sie beim Helfen und Trösten, beim Organisieren und Managen verbrachte, wusste nur sie selbst. Im September 1945, also nach Kriegsende durfte Schwester M. Johanna wieder zurück zu den Kleinen in der Volksschule und ab 1951 wurden sie Lehrerin am Deutschen Gymnasium und Realgymnasium. Dies war nur möglich, auf Grund ihrer großen pädagogischen Kompetenz, ihrer guten Didaktik und ihres reichen Wissens. Aber all ihre Kraft sollte sie auf Dauer nicht den Schülerinnen widmen, sondern Äbtissin M. Columba Baumgartner ernannte Schwester M. Johanna 1958 zu ihrer Nachfolgerin als Novizenmeisterin. Die Ausbildung der Klosterjugend, die Begleitung vieler, vieler Mitschwestern auf ihrem Weg zu Gott war die eigentliche Aufgabe, zu der Schwester M. Johanna prädestiniert war. Mit großem Einfühlungsvermögen, einer klaren Sicht des klösterlichen Lebens und der Wichtigkeit der Regel für die Suche nach Gott und die Eingliederung in das Gemeinschaftsleben, gestaltete sie das Noviziatsleben und wurde für jede einzelne eine wichtige Bezugsperson. 28 Jahre lang hatte Schwester M. Johanna dieses Amt inne und war damit prägend für den Geist von Seligenthal, wofür wir alle von ganzem Herzen dankbar sind. Dankbarkeit für ihre Mithilfe in Waldsassen, wo sie zusammen mit Alt – Äbtissin Columba Baumgartner, fast 8 Jahre wirkte, erwies man ihr dort auch bei Ihrem Abschied 1994.
Zurückgekehrt ins geliebte Seligenthal wurde sie, nach dem Tod von Mutter Columba, unsere Seniorin und wegen ihrer großen Liebe, ihrem einfühlenden Verständnis, ihrer persönlichen Bescheidenheit und Demut von allen Mitschwestern geschätzt und geliebt. Durch ihr Gebet, ihr Mittragen der gemeinsamen Anliegen und ihr Zuhören war sie Vorbild für uns alle.
So werden wir alle, vor allem, die mehr als 25 Schwestern, die Schwester M. Johanna durch Ihren Novizenunterricht prägte, immer in Dankbarkeit an sie denken und der Liebe Gottes empfehlen.




11.04.2018 - 10:15 Uhr

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