Zisterzienserinnen-
Abtei Seligenthal

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Deutschland

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Tod von Schwester M. Odilia


Für mich ist Christus das Leben, und Sterben Gewinn.“ Phil 1,21
In hohem Alter rief Gott zu sich unsere liebe Schwester

Maria Odilia Scharl
        
aus der Zisterzienserinnenabtei Seligenthal

geb.  24. 05. 1923   Profess: 01. 12. 1945  gest.30. 05.  2017

Am 30. 05. 2017   ist Seligenthal leider wieder um eine liebe Mitschwester ärmer geworden. Schwester Maria Odilia war unsere letzte Laienschwester, die trotz Ihres hohen Alters bis auf die letzten 3 Jahre nicht nur dem Aussehen nach, sondern auch im Herzen jung geblieben ist. Dabei hatte Schwester Odilia schon viel hinter sich, und vor allem ihre Kindheit kann man nicht als eine leichte bezeichnen.
Maria, so wurde Schwester Odilia getauft, wurde am 24. Mai 1923 in Mauern bei Neustadt geboren. Ihr Vater, der Schneidermeister Anton Scharl, verlor schon im März 1927 seine liebe Frau Barbara und damit die kleine Maria und ihre 2 Geschwister die Mutter. Schon ein halbes Jahr später heiratete der Vater ein zweites Mal und so bekam Maria noch drei Geschwister. In der Familie des Schneiders wurde hart gearbeitet und schon die Kinder hatten ihre Aufgaben und Verpflichtungen. Die ältere Schwester kam mit 14 Jahren zum Arbeiten fort, und Maria fing mit 16 Jahren in der Küche des HL. Geist Spitals zu arbeiten an. Wahrscheinlich konnte Maria ihren 21. Geburtstag, an dem sie volljährig wurde, kaum erwarten, denn genau am 24. Mai 1944, also an ihrem Geburtstag, trat sie in Seligenthal ein. Hier, in der neuen Heimat, durfte Schwester Odilia am 01. 12. 1948 die ewige Profess ablegen.  Ähnlich wie im Hl. Geist Spital wirkte Schwester Odilia von nun an in der Küche, half bei der Raumpflege in den Schulen und später im Kloster. Ich denke, für sie galt, was die großen geistlichen Lehrer immer wieder predigen: „ Es ist vor Gott nicht wichtig, welche Arbeit jemand vollzieht, wichtig ist nur, dass sie aus der rechten Gesinnung heraus getan wird.“  Schwester Odilias unscheinbare, nach außen kaum auffallende Tätigkeiten haben sie groß gemacht. Immer freundlich, immer hilfsbereit, pflichtbewusst und gewissenhaft, sorgte Schwester Odilia für die Sauberkeit in unserem Haus. Wie fleißig unsere liebe Schwester M. Odilia war, kann man daran ermessen, dass sie trotz eines Oberschenkelhalsbruchs vor ein paar Jahren bald wieder ihre gewohnten Arbeiten aufnahm und jedes Jahr die Cellerarin erinnerte,  ja nicht zu vergessen, dass sie den 1. und 2. Stock und noch andere Räume reinigt. Daneben spülte Schwester Odilia jahrelang mit großer Sorgfalt das Konventgeschirr. Arbeit ist wichtig, aber wichtiger ist der Mensch, der sie vollzieht und auf sein Wesen und seinen Charakter kommt es an. Wie ist nun unsere liebe Schwester M. Odilia zu charakterisieren? Auf alle Fälle wissen wir, dass sie eine fromme Frau war, die das Chorgebet und das Gebet an sich ernst nahm, in guten wie in schlechten Tagen immer da war und sich überhaupt stark an Gott und der Regel orientierte. Sie war auch eine bescheidene Frau, die sich zurücknehmen und schweigen konnte, sich nicht in Dinge einmischte, die sie nicht betrafen und die zu jeder Mitschwester gleich freundlich war. Schwester Odilias schlichte Gottverbundenheit, Ihr  tiefer Glaube, der Weg der kleinen Schritte, den sie immer aus Liebe und Treue gegangen ist, schenkte ihr Lebensweisheit, die kein Studium ermöglicht. Schwester Odilia wirkte immer  ausgeglichen und zufrieden um nicht zu sagen glücklich, bis auf die letzten Jahre, in denen sie leider an Demenz litt.  Anfänglich gab sie sich auch in dieser Zeit nicht nach, war jeden Tag bei jeder Hore, betete darüber hinaus oft noch lange am Chor und vor allem in der Zelle. Selten hörte man von ihr ein Wort der Klage und wenn man ihr begegnete, lächelte sie meist, war freundlich, hilfsbereit und zufrieden. Ihr Gottvertrauen half  ihr, alles, was in ihrem Leben geschah, dankbar anzunehmen. Ich glaube, es gibt keine Mitschwester, die unsere liebe Schwester M. Odilia nicht gerne hatte. Und so danken wir Gott für ihr langes Dasein bei uns und bitten ihn, er möge sie aufnehmen in seine Herrlichkeit
M. Petra Articus und der Konvent von Seligenthal



02.10.2017 - 10:47 Uhr

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