Zisterzienserinnen-
Abtei Seligenthal

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Deutschland

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Heimgang von Schwester M. Stephana Fenzl


„Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn.
Ob wir leben oder sterben – wir gehören dem Herrn.“ Röm 14, 8

     Wir gedenken unserer lieben
     Schwester Maria Stephana Fenzl
     aus der Zisterzienserinnenabtei Seligenthal
    
geb.  15. 01. 1932   Profess: 05. 08. 1960 
gest. 31. 07. 2016

Am 31. 07 um 07.00 Uhr,  erging der endgültige Ruf Gottes in sein himmlisches Reich an unsere liebe Schwester M. Stephana.



Ungezählte Stunden hat Schwester M. Stephana unterrichtend, zuerst in der Grundschule, dann an der Fachakademie für Sozialpädagogik und am längsten am Gymnasium verbracht, bevor sie mit 70 Jahren in den Ruhestand ging. Auch während dieser Zeit war sie nicht untätig, arbeitete in der Bibliothek,  las viel, meditierte und pflegte ihre Kontakte, um  heute am   nach einer Phase intensiver Altersbeschwerden sterben zu dürfen. 
Anneliese Fenzl, wie Schwester M. Stephana vor ihrem Klostereintritt hieß, wurde am 15. 01. 1932 in Wegscheid als erstes Kind des Regierungs-Oberamtmanns Fritz Fenzl und seiner Frau Anna geboren. Nach ihren Erzählungen durfte sie auf eine schöne Kindheit im Bayrischen Wald mit ihrem Bruder Fritz zurückblicken und eine gute Schulzeit in Passau bei den Englischen Fräulein erleben. Die Ausbildung zur Volksschullehrerin erhielt Anneliese an der Lehreinnen - Bildungsanstalt in Seligenthal.  Als Schwester erweiterte sie ihre Ausbildung zuerst zur Realschullehrerin in Pasing und später studierte sie in München Deutsch, Geschichte und Theologie für das Gymnasium und legte in Würzburg das 2. Staatsexamen ab. Am Fest Maria Lichtmess 1959 trat Anneliese in Seligenthal ein und wünschte sich den Namen Maria  Stephana nach dem heiligen Stephanus, dessen Christusliebe und Geistigkeit sie ebenso faszinierte, wie sein Mut und seine Großzügigkeit seinen Peinigern zu vergeben. Schon nach 6 Monaten wurde Schwester M. Stephana eingekleidet und am 20. August 1963 durfte sie ihre ewige Profess, zusammen mit Schwester M. Columba Wagner und Schwester M. Desideria Riha, ablegen. Die Jahre bei den Englischen Fräulein in Niedernburg Passau, wie die in Seligenthal, prägten Schwester M. Stephana so sehr, dass sie sich fortan vor allem als Lehrerin verstand, der ein guter Unterricht und eine Wertschätzung der Schülerinnen besonders wichtig war.
Ihre guten Examina, zuerst als Volksschullehrerin, dann als Realschullehrerin und zuletzt das sehr gute Examen für den Gymnasialunterricht ermöglichten ihr,  einen sehr guten, interessanten Unterricht zu halten, den nicht nur die Schülerinnen schätzten, so dass ihr bald auch die Fachbetreuung in ihren Fächern übertragen wurde. Das Kloster und die Schule waren Schwester M. Stephanas Lebensraum. Sicher war auch in ihrem Leben nicht alles leicht, aber ihr wurde die Kraft gegeben Schweres zu überwinden und der Mut, immer wieder neu anzufangen. Wahrscheinlich gilt auch bei ihr, wie bei uns allen: „ es sind oft die beschwerlichen Wege, die uns unserem Ziel näher bringen.“ Aber was sich auch an Beschwerlichem auftat, sie war getragen von ihrem Gottvertrauen, ihrer Bindung an unsere Gemeinschaft, vor allem an Mutter Columba und ihre positive Beziehung zu ihrer Familie, die für sie eine wichtige  Brücke zum Leben war. Oft erzählte sie von ihrem Vater, der als Regierungs –Oberamtmann sicher eine Autorität war, der aber durch seine Jagd – und Naturliebe und seine Liebe zu Anneliese, seiner kleinen Tochter, sehr bedeutend für sie war. Ihre Sorge um ihre kranke Mutter zeigte uns auch ihre tiefe Verbundenheit mit ihrer Familie, die bis heute für sie eine große Rolle spielte. Auch wenn Schwester M. Stephana sich manchmal sehr schwer tat, ihr cholerisches Temperament zu zügeln, war sie ein sehr kontaktfreudiger Mensch und konnte auch auf ihr unbekannte Menschen gut zugehen. So war es kein Wunder, dass sie in Marienkron und auch sonst an den Orten, an denen sie länger verweilte, schnell intensive Begegnungen hatte und viele Menschen das Gespräch mit ihr suchten. Bis ihr Gedächtnis immer mehr nachließ, kümmerte sie sich in großer Treue um die Frauen des von ihr gegründeten Meditationskreises und stand auch lange mit vielen ehemaligen Schülerinnen in Kontakt. Diese schätzten es, dass Schwester M. Stephana die Süddeutsche Zeitung fast in  - und auswendig kannte, eine klare Unterscheidungsgabe besaß, und ihr nicht nur die  Wissensvermittlung, sondern mehr noch die Wertvermittlung und Bildung der ihr Anvertrauten am Herzen lag. Auf die theologischen Fragen unserer Karwochengäste verstand Schwester M. Stephana gut einzugehen;  sie war ihnen stets eine offene Begleiterin. Mit ihrer Pensionierung endete ihre Arbeitstätigkeit nicht, sondern sie war noch bereit, sich von Frau Gabler in die Geheimnisse des nicht so leichten Bibliotheksprogramms einweisen zu lassen, um in Zukunft all ihre Kraft auf unsere Bibliotheken zu lenken. Da ihre Gesundheit ihr immer wieder zu schaffen machte und sie später im Gehen sehr eingeschränkt war, konnte Schwester M. Stephana am Chorgebet nicht immer so teilnehmen, wie wir anderen. Wegen der zunehmenden Bewegungs-einschränkung  konnte sie sich manchmal nicht überwinden  an anderen allgemeinen Veranstaltungen teilzunehmen, litt aber gleichzeitig unter der dadurch entstehenden Isolation. Wir hoffen, dass sie selbst nicht zu sehr merkte, wie ihre geistigen Fähigkeiten die letzten zwei Jahre abnahmen und danken unseren Altenpflegerinnen, die sich bis zuletzt liebevoll um sie annahmen.
Sie bitten wir, uns im Gebet für Schwester M. Stephana zu unterstützen und vertrauen sie der Barmherzigkeit Gottes an.
M. Petra Articus                                       und der Konvent von Seligenthal



22.08.2016 - 16:00 Uhr

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Schwester M. Stephana am Tag der goldenen Profess im Garten.