Zisterzienserinnen-
Abtei Seligenthal

Bismarckplatz 14
84034 Landshut
Deutschland

Tel. +49 (0) 871 821-0
Fax +49 (0) 871 821-198

Die März-Trilogie 2016: Überzeugung, Solidarität, Leidenschaft -
Drei Biographien für eine bessere Welt


In gedanklicher Fortsetzung des "Friedensforums" von 2013/2014: "Leidenschaft für den Menschen", wählten Abtei Seligenthal und das kooperierende Christliche Bildungswerk Landshut drei Biographien für eine bessere Welt aus. Die dazu dargelegten Beschreibungen des Lebensengagements von Dietrich Bonhoeffer, Madeleine Delbrêl und Erzbischof Oscar Romero erwiesen sich als großer Erfolg, nicht zuletzt durch beachtliche TeilnehmerInnen¬zahlen und ein erfreulich ökumenisch gemischtes Publikum. Es bietet sich daher an, die profunden und spannenden Referate in ihren wesentlichen Aussagen zu skizzieren.

Der evangelische Pastor und emeritierte Professor der Evangelischen Fachhochschule in Hannover Heinrich Grosse stellte als erster Referent am 03. März 2016 den leidenschaftlich kämpfenden Christen Dietrich Bonhoeffer mit dem Vortragstitel: "Tu deinen Mund auf für die Stummen! – Dietrich Bonhoeffers Widerstand und seine Bedeutung für unser Christsein heute" sehr eindrücklich vor.

Einleitend fragte Heinrich Grosse: Offensichtlich kommt es immer dann zu Kontroversen und Konflikten, wenn die Frage aufgeworfen wird: "Was bedeutet die Erinnerung an Bonhoeffer für die aktuellen Herausforderungen unserer Zeit?" Angesichts der vielen Vereinnahmungen Bonhoeffers dränge sich auch die Frage auf: "Wer beruft sich in bestimmten Situationen zu Recht auf Bonhoeffer und wer nicht?" Der katholische Theologe J. B. Metz habe die Erinnerung an Bonhoeffer als eine "gefährliche" bezeichnet und der evangelische Theologe Eberhard Bethge, Freund und Biograph, Bonhoeffer einen "unbequemen Außenseiter" genannt.

Bonhoeffers Leben  wurde im Alter von 39 Jahren durch die Hand des Henkers beendet, nur zwei Jahre, nachdem er sich mit der jungen Maria von Wedemeyer verlobt hatte.
In seinem Vortrag ging Grosse von der Biographie Bonhoeffers aus. Er sagte, dass die Ent-wicklungen und Brüche, die Entscheidungen und ihre Begründung im Leben Bonhoeffers  helfen könnten, Bonhoeffer als einen widerständigen Menschen zu verstehen und Folgerun¬gen für unser Christsein heute aus seinem Engagement zu ziehen.
1906 wurde Bonhoeffer in einer großbürgerlich-privilegierten Familie geboren. Mit 24 Jahren hatte er sich schon in Theologie habilitiert. Stationen in seinem facettenreichen, teils durch¬kämpften Arbeits- und Berufsleben waren: eine Vikariatszeit in Barcelona, Studium am Union Theological Seminary in New York City, Privatdozentur und Studentenpfarrer in Ber¬lin, Sekretär des "Weltbundes für Freundschaftsarbeit der Kirchen", Pfarrer zweier deutscher Gemeinden in London, Leiter eines illegalen Predigerseminars der Bekennenden Kirche der altpreußischen Union in Finkenwalde bei Stettin. Im Zentrum seiner dortigen Vorlesungs¬tätigkeit stand die Auslegung der Bergpredigt.
1936 verlor Bonhoeffer seine Lehrbefugnis an der Berliner Universität.
Nach Schließung des Predigerseminars in Finkenwalde durch die Gestapo richtete Bonhoeffer sog. Sammelvikariate in Köslin und Schlönwitz ein. Im Juni 1939 hielt Bonhoeffer  Vorträge in den USA. Ende der 1930er Jahr wurde Bonhoeffer in Umsturzpläne des Militärs eingeweiht. Sein Schwager Hans von Dohnanyi gewann ihn für die Mitarbeit im Widerstand. Zur Tarnung arrivierte Bonhoeffer im Oktober 1940 zum Mitarbeiter der Münchner Stelle der militärischen Abwehr.
Von Ende November 1940 bis Februar 1941 lebte Bonhoeffer im Kloster Ettal. Da die Bene¬diktiner in diesem Kloster Gegner des NS-Regimes waren, traf Bonhoeffer dort auch andere Männer des Widerstandes und widmete sich seinen Forschungen in der Klosterbibliothek.
Nach Schließung der Sammelvikariate durch die Gestapo im März 1940, stellte Bonhoeffer seine ökumenischen Kontakte in den Dienst des politischen Widerstandes und bereiste die Schweiz, Norwegen und Schweden. Die Rolle Bonhoeffers, der bereits Lehr-, Rede- und Schreibverbot davongetragen hatte, war gefährlich: Offiziell arbeitete er für das NS-Regime als Agent der Spionageabteilung unter Admiral Canaris. Im April 1943 wurden er, sein Schwager Hans von Dohnanyi und dessen Frau Christine verhaftet und in das Wehrmachtsgefängnis in Berlin-Tegel eingeliefert. Im September 1944 wird Bonhoeffers Beteiligung am Widerstand ruchbar, so dass er im Oktober in den berüchtigten Gestapo-Keller in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße eingeliefert, im Februar 1945 in das KZ Buchen¬wald verlegt und am 09. April im KZ Flossenbürg wegen "politischen Hochverrats" auf grausame Weise hingerichtet wurde.
Grosse beleuchtete des Weiteren Bewährungsfelder des Christseins bei Dietrich Bonhoeffer. Das seien sein Einsatz für die Judenfrage und seine gewagten Positionen zu Krieg und Frieden als Pazifist und widerständiger Christ gewesen.
Der Referent untermauerte seine Überlegungen mit einigen markanten Bonhoeffer-Zitaten, wie z. B.: "Nicht der religiöse Akt macht den Christen, sondern das Teilnehmen am Leiden Gottes im weltlichen Leben." In einem Brief aus dem Jahre 1942 habe Bonhoeffer ge¬schrieben: "Der Mensch wird aufgerufen, das Leiden Gottes an der Welt mitzuleiden" und 1944 notiert: "Unser Verhältnis zu Gott ist ein neues Leben im Dasein-für-andere."
Unter den von Heinrich Grosse gefolgerten Impulsen für unser Christsein heute hob er als eine zentrale Akzentuierung hervor: Bonhoeffers Bedeutung für uns Christen liege darin,  unseren Ort zu entdecken, wo wir mit Zivilcourage Verantwortung übernehmen, wo wir beten und das Gerechte unter den Menschen tun können.

Die Seligenthaler Zisterzienserin Dr. M. Adelheid Schneider, die seinerzeit in Paris zum  jü¬disch-christlichen Gespräch nach 1945 in Frankreich geforscht hatte, referierte am 10. März 2016 über die Französin Madeleine Delbrêl mit den Lebensdaten (1904 - 1964).
Das genuine Denken und Empfinden Madeleine Delbrêls, häufig als "Mystikerin der Straße" apostrophiert, griff Schwester M. Adelheid im Thema ihres Vortrags auf: "Wen Gott umarmt, der findet in seinen Armen die Welt." - Über Delbrêl sagen die einen, sie sei ein Modell für den Christen der Zukunft, andere küren sie zu einer der größten Frauen des 20. Jahrhunderts. Der Arbeiterpriester Jacques Loew charakterisierte sie als "seine in keine Kategorie einzu¬ordnende Freundin".
Aus ihrer Erfahrung einer überwältigenden religiösen Bekehrung heraus, gewann Madeleine Delbrêl die große Kraft, ihren Lebensweg und die ihn prägende Haltung von der Nachfolge Christi her zu bestimmen. Ihre Bereitschaft zu einem leidenschaftlichen Engagement gemäß dem Evangelium lenkte diese ungewöhnliche Frau in das entchristlichte Milieu der heute noch kommunistischen Arbeiterstadt Ivry unweit von Paris. Mit gleichgesinnten jungen Frauen gründete sie eine kleine (jetzt nicht mehr existierende) Gemeinschaft, die sich nach den sog. Evangelischen Räten der Armut, Ehelosigkeit und des Gehorsams ausrichtete. Inzwischen entstand ein rühriger Verein mit zahlreichen Mitgliedern, die "Association des Amis de Madeleine Delbrêl" (die "Vereinigung der Freunde Madeleine Delbrêls"). Ihre Gemeinschaft verstand Madeleine als "wanderndes Volk", als "Landstreicher", als "Leute, welche die Straßen als ihr Zuhause gewählt, den Weg Christi eingeschlagen haben, . . . um den ganzen Weg entlang die Gebärden Christi zu wiederholen."
Bereits mit 16 Jahren belegte sie Kurse in Philosophie und Geschichte an der Pariser Univer¬sität Sorbonne, nahm Zeichenunterricht und schrieb Gedichte, für die sie in den Zwanziger¬jahren einen berühmten französischen Literaturpreis erhielt. "Gott ist tot – es lebe der Tod", so formulierte sie ihre existenzialistisch-nihilistische Erkenntnis als Siebzehnjährige. Dann lernte sie Jean Maydieu, einen überzeugten jungen Christen, kennen und tief lieben. Einen Schock bereitete er ihr nach der Quasi-Verlobung, als er die Verbindung abbrach und bei den Dominikanern in Amiens eintrat. Der Schmerz löste bei ihr eine intensive Gottsuche aus, an deren Nahtstelle sich die Begegnung mit dem lebendigen Gott und die Erfahrung seiner Liebe ereignete, was sie als Übergang vom Tod zum Leben beschrieb.
Madeleine Delbrêls Leben erklärt sich auch aus dem unmittelbaren Zusammenhang mit den großen Aufbruchbewegungen der französischen Kirche im 20. Jahrhundert. Dabei handelte es sich um die Erneuerung des Glaubens aus der Quelle des Evangeliums. Zu den missiona¬rischen Neuaufbrüchen in der französischen Kirche gehörten die vom Pariser Kardinal Suhard angeregte "Mission de France" und das Experiment der "Arbeiterpriester." Beide Bewegun¬gen zeichnete aus, dass sie nach unkonventionellen Wegen suchten, wie sie das Evangelium in Milieus, die sich dem Glauben und der Kirche völlig entfremdet hatten, leben und verkün¬den könnten. Madeleine Delbrêl bekam Kontakt zu diesen Gründungen und fungierte auf¬grund ihrer situativen Kenntnisse aus Ivry als deren Beraterin.
Phasen ihres Lebens im direkten Anschluss an ihre Bekehrung stellten einstweilen dar: die Betreuung ihres erblindeten Vaters in ihrer alten Heimat Mussidan in der Dordogne und ein Einsatz in der französischen Pfadfinderschaft, zuletzt als deren hauptverantwortliche Kom¬missarin für die Region Paris Süd.
Im Sommer 1931 formierte sich eine Gruppe von Pfadfinderinnen um Madeleine, mit dem Wunsch nach einer christlichen Hausgemeinschaft von ehelos lebenden Frauen. Ihre zentrale Leitfigur bildete der Jugendkaplan Abbé Lorenzo aus Madeleines Pariser Pfarrgemeinde.
In ihrer Pfadfinderinnenfunktion begegnete sie dem Pfarrer von Ivry, Abbé Soutif, der die letztlich noch drei interessierten jungen Frauen einlud, sich bei ihm in Ivry-Plateau nieder¬zulassen. Im Oktober 1933 nahm das Projekt Gestalt an. Die für ihre Zeit emanzipierte Madeleine ließ sich zur Sozialarbeiterin ausbilden und arbeitete in der Folge unweigerlich mit der kommunistischen Stadtverwaltung zusammen. Allerdings traten die Frauen nicht der Partei bei. Madeleines Slogan hingegen lautete: Gott hat niemals gesagt, "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, ausgenommen die Kommunisten."
Während des zweiten Weltkrieges erklomm Madeleine die Karriereleiter, bis hin zum Posten der Chefin aller Sozialdienste der Region. Von weither kamen Vertreter aus anderen Orten, um sich von den innovativen Ideen anregen zu lassen. Außerdem half Madeleine gefährdeten Juden und Opfern des französischen Widerstandes (Résistance). 1944, nach der Befreiung von Paris durch die alliierten Truppen, stieg Madeleine als Delegierte der Sozialdienste wieder in die Arbeit mit der neuerdings kommunistischen Stadtverwaltung ein. Eine Ehrung für ihren selbstlosen Einsatz während des Krieges und das Angebot eines Listenplatzes in den kommunistischen Kommunalwahlen schlug sie aus. Und als sich die Bedenken Roms hin¬sichtlich der Kooperation mit den Kommunisten ankündigten, hatte Madeleine schon auf Anraten von Freunden ihre Stelle zum 01. Oktober 1946 aufgegeben.
Das über Ivry hinausgehende Apostolat von Madeleine Delbrêl betraf ihr politisches Engage¬ment für Opfer des spanischen Franco-Regimes und reichte bis in die USA, wo man auf dem Hintergrund des Kalten Krieges ein kommunistisches jüdisches Forscherehepaar zu Unrecht des Verrats atomarer Geheimnisse an die Sowjetunion bezichtigte. Trotz großer Mühen vermochte Madeleine nicht, die Hinrichtung der Rosenbergs auf dem Elektrischen Stuhl zu verhindern.
In den Querelen um die "Mission de France" und die "Arbeiterpriester" trieb sie das Anliegen, "dass (wir) die Gnade des Apostolats, die Frankreich zuteil geworden ist, (…) in der Einheit bewahren" und "dass diese Gnade von der Kirche anerkannt werde". Sie war fest in der Liebe zur Kirche verwurzelt. Im Sinne der Konzilskonstitution "Gaudium et Spes" nahm sie die mütterliche und väterliche Verantwortung der Kirche in Anspruch und dehnte sie auf alle Menschen aus. Papst Johannes Paul II. eröffnete 1993 das Seligsprechungsverfahren und erhob Madeleine Delbrêl zur ehrwürdigen Dienerin Gottes.

Der Jesuit P. Dr. Martin Maier berührte am 17. März 2016 die TeilnehmerInnen mit seiner Präsentation über den 1980 ermordeten salvadorianischen Erzbischof Oscar Romero.
Maier wirkt seit Oktober 2014 im Europäischen Sozialzentrum der Jesuiten in Brüssel als Beauftragter des Jesuitenordens für Europäische Angelegenheiten. Vorherige Etappen waren: 1979 Eintritt in den Jesuitenorden; Studium der Philosophie, Theologie und Musik in Mün¬chen, Paris, Innsbruck und San Salvador; Pfarrer einer Landgemeinde in El Salvador; 1993 Promotion in Theologie, mit einer Arbeit über die Befreiungstheologie zweier Ordensbrüder, von denen der eine mit fünf anderen jesuitischen Mitbrüdern 1989 ermordet worden war; Gastdozenturen in San Salvador und dem Centre Sèvres der Jesuiten in Paris; zwischen 1995 und 2009 Chefredakteur der jesuitischen Zeitschrift "Stimmen der Zeit"; 2009 Rektor im Berchmanskolleg des Ordens in München.
Ein eingangs gezeigtes Foto stimmte die Anwesenden auf das Szenario der am 23. Mai 2015 erfolgten Seligsprechung Oscar Romeros ein: Nachdem sich die Prozession mit dem Reli-quienschrein, in dem das blutgetränkte Hemd Romeros aufbewahrt wird, in Bewegung gesetzt hatte, wurde ein riesiges Porträt Romeros enthüllt. Und plötzlich sah man am Himmel die leicht hinter einer Wolke verborgene Sonne mit einer großen kreisrunden Regenbogenaureole. Wenngleich dieses klimatische Phänomen als "Halo" bekannt ist, deuteten es viele als ein Zeichen des Himmels – so als sollte die Seligsprechung Romeros von oben bekräftigt werden.
In der riesigen Menge zählte man 57 unterschiedliche Nationalitäten. Den Gottesdienst hatte Kardinal Angelo Amato, im Vatikan verantwortlich für die Seligsprechung, eröffnet. In dem von ihm verlesenen Apostolischen Brief des Papstes zur Seligsprechung bezeichnete dieser in einer litaneiartigen Aufzählung Oscar Romero als "Bischof, Märtyrer, Hirten nach dem Her¬zen Christi, Evangelisierer, Vater der Armen", als "heroischen Zeugen des Reiches Gottes, eines Reiches der Gerechtigkeit und der Geschwisterlichkeit". Diese Würdigung Oscar Romeros versteht sich vor allem als eine der Armen in El Salvador, die ihn schon lange als ihren Heiligen verehren.
Romeros Einsatz für Gerechtigkeit und Menschenrechte lässt sich als einen politischen erkennen. Auch Papst Franziskus ist daran gelegen, dass sich die Kirche im Kampf für Versöhnung, Frieden und Gerechtigkeit politisch profiliert. Erstaunlich erscheint in diesem Zusammenhang, dass die Vereinten Nationen Romeros Todestag zum "Internationalen Tag für das Recht auf Wahrheit im Kontext von brutaler Gewalt und der Würde der Opfer" erhoben haben.
Das Verhalten Oscar Romeros im El Salvadorianischen Klassenkonflikt hatte, wie ebenso die Kirche Lateinamerikas in den vergangenen Jahrzehnten, einen Wandlungsprozess durch¬laufen.
Er studierte in Rom und wurde bald nach seiner Rückkehr Pfarrer der Kathedrale in San Mi¬guel, dann Weibischof der Erzdiözese von San Salvador, Bischof der Diözese Santiago de Maria und 1977 schließlich Erzbischof von San Salvador.
In seiner Eigenschaft als Chefredakteur der diözesanen Wochenzeitung "Orientación" hatte Romero scharfe Kritik an den sozial und politisch engagierten Priestern geübt.
Realiter besaßen 14 Familien die Hälfte des bebaubaren Landes in El Salvador, wohingegen mehr als zwei Drittel der Bevölkerung im Elend lebten. Anfang der 70er Jahre begann das Volk, Widerstand zu leisten und soziale Gerechtigkeit sowie die Einhaltung der Menschen¬rechte einzufordern. Auf der Vollversammlung der lateinamerikanischen Bischöfe in Medel¬lin 1968 hatte ein Teil davon die Konsequenz in einer "Option für die Armen" gezogen."
Am 12. März 1977 wurde der Jesuit Rutilio Grande als erster Priester in El Salvador ermor¬det. An der Bahre seines Freundes beschloss Romero, denselben Weg zu beschreiten. Damit ereignete sich das "Wunder Romero"; er suchte von nun an die Begegnung mit den Menschen und nahm die Option für die Armen ernst. In seinen Predigten verlieh er denen eine Stimme, "die keine Stimme haben" und wurde zum Gewissen der Nation. Die Rundfunk¬ansprachen des Erzbischofs dienten als wichtigste Informationsquelle über die Vorfälle der verflossenen Woche.
Romero betrauerte in den drei Jahren seiner erzbischöflichen Amtszeit sechs ermordete Pries¬ter. An der Basis der Kirche entstand als Frucht seiner inneren Umkehr eine noch nie dagewesene Einheit. Rom stand ihm aufgrund von Denunzierungen kritisch gegenüber und veranlasste drei Visitationen. Erst anlässlich seiner vierten Romreise als Erzbischof kam es im Januar 1980, zwei Monate vor seiner Ermordung, zu einem positiveren Gespräch mit Papst Johannes Paul II., nachdem ihre erste Unterredung im Mai 1979 missglückt war.
Morddrohungen waren an der Tagesordnung, doch im Februar 1980 warnte ihn der päpstliche Nuntius in Costa Rica vor einer akuten Lebensgefahr.
In der Sonntagspredigt am 23. März 1980 nannte er wie üblich die Namen der Gewaltopfer der vergangenen Woche und richtete einen Appell an Soldaten und Sicherheitskräfte, der Unterdrückung ein Ende zu bereiten. Am darauffolgenden Montagabend feierte er eine heilige Messe in der Kapelle des Krankenhauses, wo er auf bescheidene Weise wohnte und wurde am Altar erschossen. Den Mord hatte der Befehlshaber der Todesschwadronen in El Salvador, Major Roberto D' Aubuisson, angeordnet. Anfang der 80er Jahre konnte noch ein bei Haus¬durchsuchungen gesichtetes Bild Romeros zum Verschwinden von Personen führen. Längst sind das Grab des Erzbischofs in der Krypta der Kathedrale von San Salvador und die Kapelle, in der er ermordet wurde, Wallfahrtsstätten. Romeros Prophezeiung: "Wenn sie mich umbringen, werde ich im salvadorianischen Volk auferstehen ," ist Wirklichkeit geworden.
Zur jeweiligen musikalischen Untermalung der drei Veranstaltungen sang anfangs die Schola von Seligenthal nach dem Bonhoeffer-Referat "Von guten Mächten wunderbar geborgen …" und motivierte alle zum Mitsingen; beim Delbrêl-Vortrag trug eine Seligenthaler Gymna¬siastin drei französische Chansons vor, in Begleitung einer Klassenkameradin am Flügel; und zu "Oscare Romero" spielte eine befreundete  bolivianische Familie drei Stücke aus Chile und Bolivien.




14.04.2016 - 09:00 Uhr

zurück zur Nachrichten-Übersicht



 Druckversion