Zisterzienserinnen-
Abtei Seligenthal

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Deutschland

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Ewige Profess von Schwester M. Adelheid Schneider am  25. 04. 2015  in der Abtei Seligenthal .


Es sind nun gut sechs Jahre her, da sich Frau Dr. Ursula Schneider in Seligenthal meldete und nachfragte, ob wir evtl. auch noch Frauen in Ihrem Alter, mit knapp über 60 Jahren ins Kloster aufnehmen. Unbesehen wollten wir das nicht tun und so luden wir Frau Schneider ein, erst einmal zu uns zu kommen und eine kurze Zeit mit uns zu leben. Nach dieser Zeit entschied der Konvent, dass wir eine Ausnahme machen können und Frau Schneider wollte den Eintritt auch wagen.

Nach einem langen Leben der Eigenständigkeit und des Suchens galt bei ihr wohl besonders, was Thomas Merton in seinem Buch „Keiner ist eine Insel“ schrieb: „ Wenn wir auf den Platz berufen sind, auf dem Gott uns am meisten Gutes erweisen will, so bedeutet das, dass wir dorthin berufen sind, wo wir am besten uns selber verlassen und ihn finden können. Gottes Barmherzigkeit will in Freuden erkannt, über alles andere gestellt, gepriesen und angebetet werden. Darum ist jede Berufung zugleich Berufung zum Opfer und zur Freude.“

Bei  der Einkleidung erhielt Frau Schneider den Namen Adelheid und nach drei Jahren zeitlicher Gelübde bat Schwester Maria Adelheid darum, die Gelübde unseres Ordens  Oboedientia – Gehorsam, Stabilitas – Beständigkeit und Conversatio Morum – monastische Lebensführung, für immer ablegen zu dürfen. Die klösterliche Lebensform erhält ihre Rechtfertigung aus dem persönlichen Anruf Gottes zur besonderen Nachfolge Christi. Die Antwort auf diesen Ruf geben wir in der Verwirklichung unserer Gelübde.

Unser Ordensgehorsam umfasst zunächst die Gehorsamsverpflichtungen jedes Christen, überschreitet sie aber darin, dass er sich den Ordensregeln und Ordensoberen unterstellt. Die natürliche Begründung dieses Gehorsams liegt in der klösterlichen Gemeinschaft als sozialem Gebilde, das einer geregelten Lebensordnung und einer leitenden Autorität bedarf.
Die religiöse Begründung liegt zunächst im Beispiel Christi, dessen menschliches Leben ganz vom Gehorsam gegenüber seinem himmlischen Vater getragen war. Sie liegt ferner in der Glaubensüberzeugung, dass in der Ordensgemeinschaft, die sich im Namen Jesu Christi zur Einheit verbunden hat,  Christus selbst gegenwärtig ist und in allen Gliedern wirkt, besonders aber in den von der Kirche bestellten leitenden Autoritäten. In dieser Gemeinschaft erwartet er unsere Übereinstimmung mit seinem Willen.
Ordensgehorsam ist demnach letztlich Liebesgehorsam, in derselben Freiheit der Liebe geleistet, die auch Christus bewog, Knechtsgestalt anzunehmen. Damit ist der Ordensgehorsam zugleich Teilnahme an der erlösenden Liebe Christi und Zeichen für sie vor der Welt.

Das Gelübde der Stabilitas oder Beständigkeit hat mehrere Aspekte:
Stabilitas loci: Verbleiben in dem einmal gewählten Kloster.  
Stabilitas in congregatione:    dazu gehört das Verbleiben in der Gemeinschaft in verantwortungsbewusster Teilnahme am Geschick in guten und schweren Zeiten. Des weiteren Verantwortung für eine Atmosphäre der Freude und des Friedens innerhalb der Gemeinschaft und deren guten Ruf nach außen. 
Stabilitas coram Deo: Treue zu Gottes Ruf und unserem Gelöbnis.

Die monastische Lebensführung beinhaltet das in den verschiedensten Ordensgemeinschaften direkt ausgesprochene Gelübde der Armut und der Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen.
Die klösterliche Armut, die wir Zisterzienserinnen als eine benediktinische Ordensgemeinschaft  nicht direkt geloben, findet ihre Begründung in der Christusnachfolge. Sie bedeutet Verzicht auf Verfügung über materielle Güter, Freiheit und innere  Unabhängigkeit den irdischen Dingen gegenüber.  Sie bedeutet Hilfe für Arme und Leidende. Sie hat Zeugnischarakter, indem sie den materiellen Gütern ihren wahren Ort  in der Rangordnung der Werte zuweist.

Die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen ist eine in der Kirche seit ältester Zeit gepflegte Lebensform der Nachfolge Christi und war daher dem Heiligen Benedikt so selbstverständlich, dass seine Mönche sie nicht eigens gelobten. Da der Mönch oder die Nonne der Liebe zu Christus und der Liebe Christi nichts vorziehen soll, verzichtet die Schwester auf die Ehe und weiht ihr Leben ausschließlich Gott. Ihm wendet sie ihre tiefste personale Liebe zu.  Die Schwester wird frei für den Dienst am Aufbau des Gottesreiches und den Dienst an den Menschen.

Mit dem Versprechen die Gelübde einzuhalten, also der Ablegung der ewigen Profess ist Schwester M. Adelheid noch nicht am Ziel ihres Weges, Ihrer Beziehung zu Gott, sondern jetzt heißt es bei Ihr wie bei uns allen, dass ihre Berufung  gelebt werden muss, damit sie immer mehr zur Anerkennung Gottes als ihren Vater, zur Freude im Begreifen seiner Barmherzigkeit gelangt. Es gilt jetzt für sie, jene Haltung zu finden, durch die sie am vollkommensten die Wohltaten Gottes erkennen und empfangen darf und in einer großzügigen Weise liebevoll beantwortet und an andere weitergibt.

Dazu wünschen wir Ihr ein offenes, achtsames und dankbares Herz und bitten Sie um Ihr Gebet für Schwester M. Adelheid.



04.05.2015 - 09:00 Uhr

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Mutter Petra berfragt Schwester M. Adelheid nach Ihrem Begehren.

Nach dem Professakt wird die Heilige Messe fortgesetzt.

Der Konvent bildet ein Spalier zur Gratulation.