Zisterzienserinnen-
Abtei Seligenthal

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Deutschland

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Hl. Benedikt von Nursia


Vom Studenten zum Einsiedler
Benedikt kam zusammen mit seiner Zwillingsschwester Scholastika in der Nähe von Nursia als Sohn eines reichen Landbesitzers auf die Welt. Nachdem er die Schule beendet hatte, wurde er von seinen Eltern nach Rom geschickt, um dort zu studieren. Das ausschweifende Leben, das dort von seinen Mitstudenten geführt wurde, enttäuschte ihn derart, dass er nach wenigen Jahren zurückkehrte und sich einer Gruppe von Einsiedlern anschloss, um mit ihnen in den Gebirgen von Enfide zu leben. Wenig später zog er sich aus dieser Gruppe zurück und lebte als Einsiedler in einer Höhle bei Subiaco.


Schwieriger Anfang im Kloster
Bald wurden die Menschen in dieser Umgebung auf ihn aufmerksam und nach einiger Zeit bat man ihn, dem Kloster Vicovano vorzustehen und das Leben dort neu zu ordnen. Doch in der dortigen Gemeinschaft stieß er mit seinem Lebensideal auf starken Widerstand und man versuchte ihn mit vergiftetem Wein umzubringen. So kehrte er in das Tal von Subiaco zurück, um dort das Kloster S. Clemente und zwölf weitere kleine Klöster zu gründen. Auch hier gab es Konflikte und Auseinandersetzungen, da man merkte, dass Benedikt sehr großen Einfluss hatte auf das Mönchsleben. Nur ein paar wenige unterstützten ihn. Mit einer kleinen Schar verließ er erneut im Jahre 529 das Kloster, um auf dem Berg Montecassino wiederum ein Kloster zu gründen. Montecassino ist bis heute eine Benediktinerabtei und gilt als Mutterkloster des Ordens der Benediktiner. Für diese Gemeinschaft verfasste Benedikt seine berühmte Regel.


"Ora et labora": Eine Regel erobert das Abendland
In Ägypten, Kleinasien, Palästina und Syrien gab es bereits Formen von Mönchsgemeinschaften, als Benedikt seine Regel verfasste. Im 4. und 5. Jahrhundert gelangten die ersten Gemeinschaften nach Gallien und Italien. Zu den führenden Gestalten dieser Gemeinschaften gehörten Martin von Tours, Honorat von Lerin, Cäsarius von Arles und Cassian von Marseille. Benedikt konnte also im 6. Jahrhundert aus einer reichen Quelle von Überlieferungen schöpfen, um seine Regel zu schreiben. Die Besonderheit seiner Regel bestand darin, dass er ihr jene neue Fassung gab, die es ermöglichte, dass sich das Mönchtum im Westen genau so fruchtbar und lebendig entfalten konnte wie in seiner östlichen Heimat. Seine Regel ist ein Werk jahrelanger Arbeit, das immer wieder erweitert und ausgebessert wurde. Wer die Regel liest, dem fällt bald auf, dass die Heilige Schrift den Rahmen der Regel bildet. Des weiteren waren es die Regeln von Basilius, Augustinus, Johannes Cassian und die sog. Magisterregel, die von einem unbekannten Mönch verfasst wurde, die das Denken Benedikts beeinflussten. Seine Regel bekam einen so wichtigen Stellenwert im Abendland, dass sie alle anderen Regeln, mit Ausnahme der Augustinusregel, verdrängte und vom 8. bis 13. Jahrhundert die wichtigste abendländische Klosterregel war.

Die Regel enthält einen längeren Prolog, in dem die Grundlagen des gottgeweihten Lebens erörtert werden. In den anschließenden 73 Kapiteln schreibt Benedikt über wichtige Grundsätze und Ordnungsprinzipien, die zu einem gelungenen Leben im Kloster beitragen sollen:

Das Kloster ist für den Hl. Benedikt in erster Linie eine Schule des Herrendienstes, an deren Spitze der Abt, die Äbtissin steht, der / die die Verantwortung für die Gemeinschaft trägt. Den Mittelpunkt des monastischen Lebens bildet der auferstandene Herr, Jesus Christus, selbst. Ihm soll, wie Benedikt im 72. Kapitel schreibt, nichts vorgezogen werden. Alles, was im klösterlichen Alltag geschieht, ob im Gebet, der Lectio Divina, oder in der Begegnung mit den Mitbrüdern / Mitschwestern, soll ganz auf Christus ausgerichtet sein. Durch das benediktinische Motto "Ora et labora", Gebet und Arbeit, soll Gott in allem verherrlicht werden. Wichtige Voraussetzung dafür ist die Demut, das Schweigen und das innere Gebet. Diese drei monastischen Elemente ermöglichen es erst, das Gute, die Kraft Gottes zu erfahren und sich von dunklen Kräften abzugrenzen.




 Druckversion
 
Der Hl. Benedikt mit der Regel (Bild aus dem Refektorium).

Eine Klosterarbeit mit dem Hl. Benedikt, hergestellt aus einfachsten Mitteln.