Zisterzienserinnen-
Abtei Seligenthal

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Deutschland

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Hl. Aelred von Rielvaux


Von Aelred von Rielvaux, den wir heute zu den wichtigsten Vätern des Zisterzienserordens zählen, wird gesagt: "Alles hat er verdoppelt, die Liebe aber verdreifacht." Wer war er?


Karriere am Hof von König David
Er war ein Zeitgenosse von Bernhard von Clairvaux und wurde 1110 in Hexham bei der Grenze von England und Schottland geboren. Nach seiner Ausbildung bei den Benediktinern in Durinham, kam er an den Königshof von König David, wo er zusammen mit den Prinzen Waldef und Heinrich aufwuchs. Bald erkannte man seine Fähigkeiten und ernannte ihn zum Verwalter des Palastes. So machte er in seinen jungen Jahren eine steile Karriere und genoss nebenher das höfische Leben, das so manche Gefahren in sich barg. Er selber schreibt in mehreren Werken über sein ausschweifendes Leben in seinen Jugendjahren. Doch diese Erfahrung war für ihn wichtig um zu spüren, was es bedeutet, Gott fern zu sein und in Ungeborgenheit zu leben. Zu seiner Schwester sagte er: "Welch große Gnade hat Gott mir geschenkt: Er ist mir nachgegangen, als ich vor ihm floh, er hat mich in meiner totalen Verzweiflung zur Hoffnung ermutigt, er hat mich Undankbaren mit seinen Wohltaten überschüttet (...), mich der Welt entfremdet und voll Güte aufgenommen."


Im Zisterzienserkloster Rievaulx
Auf einer Reise nach York lernte er das Zisterzienserkloster Rievaulx bei Yorkshire kennen und war vom Lebensstil der Mönche tief beeindruckt. Bei seiner zweiten Reise dorthin, entschloss er sich einzutreten, um Mönch zu werden. Das war im Jahre 1134. Hier erkannte man schnell seine Begabungen und ernannte ihn zum Ökonom des Klosters. Später übernahm er die Aufgabe des Novizenmeisters. 1142 wurde er Abt des gegründeten Tochterklosters Revesby und 1147 Abt von Rievaulx. Er wirkte zwanzig Jahre segensreich. Trotz zunehmender Krankheit, bedingt durch das feuchte Klima und das asketische Leben, war er immer für seine Mitbrüder da. Am 12. Januar 1166 starb er und wurde 1191 heilig gesprochen.


Schriften über Freundschaft und Dialog
Der Hl. Aelred zeichnete sich besonders durch die Begabung für Freundschaft und Dialog aus. Der geistliche Austausch, den er in seinem Kloster pflegte, war für ihn besonders wichtig. Daher sind seine Werke in Gesprächsform geschrieben. Er selbst fühlte sich nie als Schriftsteller und schrieb nur, wenn er von anderen darum gebeten wurde. Sein erstes Werk und zugleich sein Hauptwerk war das "Speculum Caritatis", das er im Auftrag des hl. Bernhard schrieb. Darin zeichnete er seine Lebenserfahrungen über die Liebe auf, schrieb über ihr Entstehen, Wachstum und ihre Vollendung. Weiter schrieb er eine Meditation über den zwölfjährigen Jesus im Tempel und eine Reklusenregel für seine Schwester. Das Werk über die geistliche Freundschaft, das er in den letzten Lebensjahren verfasste, ist heute am bekanntesten und wurde in viele Sprachen übersetzt.


Aelreds Bedeutung in der Gegenwart

Über viele Jahrhunderte hinweg war Aelreds Spiritualität sehr geschätzt, bis im 16. Jahrhundert durch die Reformation in England viele Klöster aufgehoben wurden und er dadurch in Vergessenheit geriet. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er u.a. von John Henry Newman neu entdeckt und an die Öffentlichkeit gebracht. Aelred kann für uns Menschen von heute von großer Bedeutung sein. Nach einem ausschweifenden und zügellosen Leben musste auch er mühsam den Weg zu Gott finden und konnte deswegen gut aufzeichnen, welchen Wandel er für seine Umkehr durchstehen musste. Das könnte für viele Menschen hilfreich sein, die ebenfalls auf der Suche nach Gott sind.




 Druckversion
 
Der Hl. Aelred schreibt an seinem Buch "über die Freundschaft".