Zisterzienserinnen-
Abtei Seligenthal

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Deutschland

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Neugründungen weltweit


Nach der Wiedererrichtung im Jahr 1835 blühte unser Kloster rasch auf. Die Zahl der Schwestern nahm zu, und das blieb so bis zu den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Angesichts dieses Erfolgs verwundert es nicht, dass man im Stammkloster Seligenthal die Bereitschaft zu Neugründungen gerne unterstützte.

 
Wiederbesiedlung des Klosters Waldsassen in der Oberpfalz

Das Zisterzienserkloster Waldsassen, das wie Seligenthal der Säkularisation zum Opfer gefallen war, diente in der Folgezeit als Kattunfabrik. Der Bischof von Regensburg, der es 1863 besuchte, fasste den Entschluss, es seinem ursprünglichen Zweck wieder zuzuführen. Im gleichen Jahr stellte sich der Marktgemeinde Waldsassen ein Schulproblem: Die Mädchen sollten von den Knaben getrennt und für Unterricht und Erziehung Ordensfrauen anvertraut werden. Es lag nahe, dass sich Bischof und Gemeinderäte gemeinsam an Seligenthal wandten, das einzige in der Diözese Regensburg liegende Zisterzienserinnenkloster. Unser Konvent sagte zu, und bereits ein Jahr später machten sich die ersten vier Schwestern auf die Reise nach Waldsassen. Obwohl sich anfänglich "behördliche Schwierigkeiten" auftürmten, gelang der kleinen Schwesterngemeinschaft damals die Übernahme der Mädchen-Volksschule und der Aufbau einer Mittelschule. Seligenthal schickte im Lauf der folgenden Jahre noch 14 Schwestern zur Verstärkung.

Heute ist Waldsassen eine Abtei mit neun Mitgliedern, führt eine sechsstufige Realschule, unterhält ein Kultur- und Begegnungszentrum sowie eine Umwelt-Bildungseinrichtung.


 
Gründung des Klosters Marienkron im Burgenland

Im Zisterzienserstift Heiligenkreuz bei Wien wurde nach dem Zweiten Weltkrieg der Wunsch laut, in Österreich eine Niederlassung für Zisterzienserinnen ins Leben zu rufen. Gedacht war an eine Gebetsstätte, eine "Gottesburg" am "Eisernen Vorhang".

Konkrete Gestalt gewann diese Idee während der Jahresexerzitien 1953, die Abt Karl Braunsdorfer von Heiligenkreuz in Seligenthal hielt. Unser Konvent zählte um diese Zeit 131 Nonnen, und dem Exerzitienmeister mag der Gedanke gekommen sein, dass das Kloster durch eine Einbuße an Schwestern nicht gefährdet würde. Abt Karl bat Äbtissin M. Johanna Sattler dringend, ein Kloster im Burgenland zu gründen. Das nötige Grundstück würde Heiligenkreuz zur Verfügung stellen und die Finanzierung für den Bau übernehmen.

Der Seligenthaler Konvent ließ sich überzeugen und stellte sechs Schwestern für diese Aufgabe frei. Priorin des neuen Klosters wurde die bisherige Leiterin der Seligenthaler Volksschule M. Paula Gmach.

Am 12. August 1955 nahm die Gruppe Abschied vom Mutterkloster und begann am 15. August, dem Fest Mariä Himmelfahrt, ihr klösterliches Leben in Mönchhof / Burgenland. Für die Gründung wurde der Name Marienkron gewählt. Der Standort war nur drei Kilometer vom Eisernen Vorhang entfernt.

In den folgenden Jahren erhielt Marienkron einen Klosterbau, 1959 wurde es ein selbständiges Priorat und 1991 Abtei. Heute leben dort 16 Schwestern.

Bezüglich seines Arbeitsbereichs ging das Kloster einen für Zisterzienserinnen etwas ungewöhnlichen Weg. Die langjährige Priorin und erste Äbtissin M. Rosaria Golsch baute im Lauf von 40 Jahren ein Kneipp-Kurhaus und ein Entspannungszentrum mit 160 Plätzen auf, das weit über die Grenzen Österreichs hinaus einen guten Ruf hat.

Nach dem Tod von Mutter Rosaria im Jahre 2001 wählte der Konvent von Marienkron Schwester Mirjam Dinkelbach zur neuen Äbtissin. Leider konnte Mutter Mirjam aus gesunheitlichen Gründen nicht so wirken wie sie wollte und gab deshalb im Frühjahr 2011 ihr Amt zurück. Seit der Zeit ist die emeritierte Äbtissin von Oberschönenfeld, Schwester M. Ancilla Betting die Administratorin der Abtei. Mutter M. Ancilla baute für den Konvent einen neuen Wohntrakt, da die Trennung vom Kurhaus auch sichtbar vollzogen werden sollte un dder ertste Klosterbau nicht zur Generalsanierung geignet war.


Übernahme des Colegios Ave Maria in La Paz / Bolivien

Das Colegio Ave Maria ist keine Seligenthaler Gründung. Es geht aber zurück auf eine Ordensfrau aus Waldsassen, Schwester Hedwig Eckert, die im Jahr 1929 mit einer Gruppe von Patres und Schwestern unseres Ordens nach Bolivien gegangen war. Da sie mit einer Klostergründung keinen Erfolg hatten, suchte Madre Hedwig ihren Weg allein. Ab 1952 sammelte sie in dem Stadtrandgebiet Villa Fatima in La Paz arme, verwahrloste Kinder um sich, unterrichtete sie und sorgte für ihren Lebensunterhalt. 1970 hatte sie etwa 300 Schülerinnen und Schüler, davon 15 Mädchen im Internat. Sie tat, was sie konnte, um ihrem Werk auch nach ihrem Tod Bestand zu geben, aber ihr selbst gelang es nicht. Über einen Oblatenpater aus Deutschland, der sie in den letzten Jahren bis zu ihrem Tod im Jahr 1971 begleitet hatte und vorübergehend auch ihre Nachfolge übernahm, kam die Nachricht von den verwaisten Kindern in La Paz auch zu uns nach Seligenthal. Frau Äbtissin M. Columba Baumgartner flog nach Bolivien, informierte sich an Ort und Stelle über die Situation und kam mit der Bereitschaft zu helfen zurück. Der Konvent stimmte ihr zu und entsandte im Oktober 1972 drei Schwestern nach La Paz: M. Mechthildis Fischl, M. Immolata Kronpass und M. Claudia Fischer. Der Anfang war sehr hart und die Schwierigkeiten groß, aber die Erhaltung des Werkes gelang.

Bald verbesserten sich die Verhältnisse in Schule und Internat. Die Zahl der Kinder wuchs bis auf den heutigen Stand von etwa 4900. Die Freunde aus der Heimat finanzierten den Unterhalt für die bedürftigen Kinder und die nötigen Baumaßnahmen, und Seligenthal schickte im Lauf der Jahre noch zwei weitere Schwestern.

Nach dem Tod von Schwester Mechthildis, die von ihren Indiokindern heiß geliebt wurde, übernahm Schwester Immolata 1982 die Leitung des Klosters, der Intermedio und der Medio. Durch geeignete Fortbildung befähigte sie die über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, im Geist einer katholischen Schule zu erziehen und zu unterrichten. Ihre Lebensleistung kann man nur bewundern. Im November 2006 musste sie aus gesundheitlichen Gründen ihre Aufgaben in die Hände ihrer langjährigen Mitarbeiterin, Schwester M. Christine Gruber, legen. Die Gemeinschaft ist jetzt ein selbständiges Priorat, dem zehn Schwestern angehören, vier Deutsche und sechs Bolivianerinnen.

Eine große Freude ist es für das Colegio und uns alle, dass eine Reihe der zahlreichen Abiturientinnen und Abiturienten von Ave Maria verantwortungsvolle und einflussreiche Aufgaben in dem von politischen Unruhen und Armut geplagten Andenstaat übernehmen konnten. Unter ihnen sind auch Priester und Ordensleute.

Obwohl schon länger krank, kam der Tod am 08. 03. 2010 von Schwester M. Immolata, der ersten Priorin des Colegios für die Mitschwestern doch überraschend und zu schnell. Auch die Lehrkräfte und die Schüler waren betroffen und drückten bei der Beerdigung  auf vielfache Weise Ihre Dankbarkeit, Liebe  und Ehrerbietung aus.

Valle Feliz in Ecuador

In Lateinamerika geht ein zweites Projekt auf Seligenthal zurück. Zusammen mit Bischof Stehle, dem früheren Leiter des Hilfswerkes Adveniat, baute Schwester M. Claudia Fischer nach 17jährigem Einsatz im Colegio Ave Maria in La Paz 1989 in Santo Domingo de los Colorados ein Kinderdorf auf, das in vier Gruppen etwa 60 elternlosen Kindern oder Sozialwaisen eine neue Heimat gibt. Zudem unterhält sie in einem Außenbezirk der schnell wachsenden Stadt einen Kindergarten und eine Grundschule. Da das Valle Feliz (span. "Seligenthal") kein eigenständiges Kloster ist, bleibt Schwester M. Claudia Mitglied unseres Konvents. Wie das Colegio Ave Maria ist auch ihr Werk auf Hilfe aus Europa angewiesen.

Seit März  2011 hat sich im Kinderheim Valle Feliz einiges geändert. Zwar  bietet das Hogar immer noch verwahrlosten, verwaisten, misshandelten oder gar missbrauchten Kindern eine Heimat, aber Schwester M. Claudia blieb leider nicht von Krankheiten verschont, wie wir es ihr von Herzen gegönnt hätten. Deshalb suchte sie schon seit längerem geeignete Nachfolger für Valle Feliz, die ihr Lebenswerk in ihrem Sinne weiterführen sollten. Sie fand  in Santo Domingo los Tsachilas eine Schwesterngemeinschaft, denen sie ihr Heim und ihre Arbeit anvertrauen wollte.
Diese Missionsbenediktinerinnen übernahmen unter Leitung von Schwester Carmela Ewa Pilarska ab dem 01. März 2011 die Arbeit in Valle Feliz und entlasteten Schwester M. Claudia.
Am 08. Mai fand in einer feierlichen Zeremonie die offizielle Schlüsselübergabe statt. Der Generalvikar des Bischofs Herr Hugo Araujo bedankte sich im Beisein von Mutter Äbtissin M. Petra Articus und Frau Generaloberin Schwester Martyna Wysocka und vieler weiterer geladener Gäste bei Schwester M. Claudia Fischer für ihre unermüdliche und aufopferungsbereite, umsichtige, weise, sowie fürsorglichen und liebevolle Arbeit in den vergangenen 21 Jahren. Er wünschte ihr baldige Genesung und viel Seelenstärke, ihr Werk von Deutschland aus zu begleiten.
Schwester Carmela, der neu ernannten Leiterin von Valle Feliz, und ihren Mitschwestern wünschte er viel Kraft und Mut, dieses so großartige Werk fortzuführen. Er sei sehr zuversichtlich, dass ihnen dies ganz im Sinne von Schwester M. Claudia gelingen würde.
Die jungen, freundlichen und äußerst engagierten Missionsbenediktinerinnen kommen aus Polen und sprechen fließend spanisch. Alle Schwestern haben ein abgeschlossenes Theologie - und Pädagogikstudium und arbeiteten schon viele Jahre in Südamerika mit Kindern und Jugendlichen. Aus diesem Grund sind sie sehr gut für die Arbeit im Kinderdorf geeignet.
 
Wiederbesiedlung des Klosters Helfta in der Lutherstadt Eisleben

Dieser Neuaufbau kam in einer Zeit auf uns zu, in der es uns sehr schwer fiel, Schwestern für Aufgaben außerhalb unseres Hauses freizugeben.
Das Kloster Helfta in Sachsen-Anhalt bestand seit der Reformation nicht mehr. Der Vorsitzende des Kloster-Fördervereins Helfta bat Frau Äbtissin M. Assumpta Schenkl, sich für die Wiederbelebung dieser Abtei einzusetzen. Das Kloster war im Mittelalter durch drei große, heilige Mystikerinnen bekannt geworden: Gertrud von Helfta, Mechthild von Hackeborn und Mechthild von Magdeburg.

Äbtissin M. Assumpta und einige unserer Mitschwestern wussten sich von Gott gerufen, sich für die Gründung eines kontemplativen Klosters in den neuen Bundesländern zur Verfügung zu stellen. 40 Jahre kommunistischer Herrschaft hatten dort den christlichen Glauben weitgehend verdrängt.

Im August 2000 gingen sieben unserer Mitschwestern, einschließlich Äbtissin M. Assumpta, die kurz vorher ihr Amt in Seligenthal niedergelegt hatte, nach Helfta. Da sich ihnen auch andere Schwestern aus unserem und anderen Orden anschlossen, waren sie genügende, damit sofort ein selbständiges Priorat errichtet werden konnte.

In den zurückliegenden sieben Jahren haben die Schwestern dort eine Aufbauarbeit geleistet, die sie ohne Gottes Hilfe nicht hätten bewältigen können. Kirche und Kloster wurden nach alten Plänen wieder aufgebaut, dazu kam ein Gäste-und Exerzitienhaus, ein Kindergarten, ein Altenheim und ein Restaurant. Das Projekt "Wiederbesiedlung des Klosters Helfta" fand in weiten Kreisen der westdeutschen Katholiken großen Anklang und entsprechende finanzielle Unterstützung. Auch die Diözese Magdeburg engagierte sich sehr für ihr neues Kloster. Das kirchliche und öffentliche Interesse zeigt sich besonders in dem Besucherstrom, der Helfta vor allem in den Sommermonaten überflutet, und an der guten Auslastung des Gäste- und Exerzitienhauses. Auch die Bevölkerung des Mansfelder Landes nimmt die katholischen Schwestern sehr gut an.

Helfta liegt in Eisleben, einer der Wirkungsstätten Martin Luthers. Gott möge schenken, dass das Kloster St. Marien zu Helfta durch sein Gebet und das Glaubenszeugnis der Schwestern auch einen Beitrag zur Ökumene leisten kann.

Am 24. April 2009 starb Mutter Assumpta, die erste Priorin von Helfta. Sie durfte auf ein erfülltes Leben zurückblicken und auf ein Werk, um dessen Fortentwicklung sich jetzt Schwester M. Lucia , Schwester M. Klara, alle Schwestern von Helfta zusammen mit Altäbtissin Agnes von Gwiggen bemühen.
Ende April 2011 durfte Schwester M. Lucia als erste Schwester von Helfta ihr goldenes Professjubiläum begehen.

Leider starben am Anfang dieses Jahres 2015 Mutter Agnes am 18. 01. und Schwester M. Lucia am 30. 03. So wurde die Wahl einer neuen Priorin in Helfta notwendig. Der Konvent postulierte unsere Schwester M. Christiane Hansen zur neuen Priorin von Helfta. Das bedingt einen Stabiltätswechsel von Schwester M. Christiane, das heißt sie gehört jetzt dem Konvent von Helfta an. Wir wünschen ihr für die Zukunft alles Gute. Erfreulicherweise hat sie schon zwei Kandidatinnen einkleiden können, die Anfang Maärz ihr Noviziatsjahr begonnen haben.





 Druckversion
 
Die Neugründungen der Zisterzienserinnen-Abtei Seligenthal reichen bis nach Südamerika.

Die barocke Abteikirche von Waldsassen bildet den Mittelpunkt des Ortes.

Blick auf einen Teil des neuen Klostergebäudes von Marienkron.

Mutter M. Ancilla während de Einweihungsgottesdienstes

Schwester M. Christine, die neue Priorin des Colegios, während einer Ansprache an die Schüler

Dorfkinder in Bolivien.

Der Nuntius von Ecuador und Bischof Stehle zu Besuch bei Schwester Maria Claudia und ihren Kindern

Die neue Schwesterngemeinschaft von Valle Feliz.

Schwester M.  Lucia und Schwestr M. Christiane im Garten von Helfta.

Neuaufbau des Klosters Helfta: Die drei mittleren Fenster stammen noch aus der alten Klosterkirche.

Mutter Agnes und Schwester M. Lucia feierten die goldene Profess von Schwester M. Lucia in Seligenthal.